306. Besoffen 1). Berauscht 2). Betrunken 3). Benebelt 4). Trunken 5).

1) Tipsy.     2) Inebriated.     3) Drunk.     4) Fuddled.     6) Intoxicated (with).
1) Ivre.     2) Gris (ivre).     3) & 4) Enivré, grisé.     5) Ivre (enivré).
1) Ubbriaco.     2) Alticcio.     3) Ebbro.     4) Brillo.     5) Avvinazzato.

Diejenigen unter diesen Wörtern, die von trinken und saufen abstammen, deuten auf geistige Getränke, während hingegen berauscht auf eine allgemeinere Ursache hindeutet. Man kann sich nämlich auch durch andere Sachen, als durch geistige Getränke berauschen. Die Türken berauschen sich mit Opium, und man wird nicht sagen, daß sie sich darin betrinken. Besoffen bezeichnet einen Menschen, der sich durch die übermäßige Menge des Getränkes, das er zu sich genommen, in einen Zustand versetzt hat, in dem er seiner Sinne nicht mehr mächtig ist; das Wort ist eine sehr starke Bezeichnung dieses Zustandes, es weist auf ein tierisch maß- und schrankenloses Genießen von geistigen Getränken hin. Betrinken deutet nicht auf diesen Nebenbegriff. Kleine Kinder und Personen von schwächlicher Leibesbeschaffenheit können auch schon von einem oder einigen Gläsern Wein betrunken werden. Benebelt ist ein mehr scherzhafter Ausdruck für einen geringeren Grad der Trunkenheit und bezeichnet, daß jemand bereits nicht mehr klar sehe und denke. Besoffen ist der niedrigste und stärkste Ausdruck von allen, der in guter Sprache nicht gebräuchlich ist; ebenso wird benebelt, obwohl es bei weitem nicht ein so niedriger Ausdruck ist wie besoffen, nur in der Umgangssprache und auch da nicht allzu häufig angewendet. Der üblichste Ausdruck, der ohne verächtliche und scherzhafte Nebenbedeutung, schlechthin den Zustand der Trunkenheit bezeichnet, ist betrunken; edler ist der Ausdruck berauscht, der edelste von allen ist trunken; denn es bezeichnet den, der bloß viel, nicht wie die übrigen, der zu viel getrunken hat. "Jedermann gibt zum ersten den guten Wein; und wenn sie (die Gäste) trunken worden sind, alsdann den geringeren." Joh. 2, 10. Zuweilen drückt es bloß den Zustand aus, wie in schlaftrunken, ohne im geringsten auf die Handlung hinzudeuten, durch die der Mensch in den Zustand verworrener Vorstellungen versetzt wird. — Nur berauscht und trunken (betrunken ganz selten und nur von Dichtern) werden uneigentlich gebraucht, nämlich von einem Zustande, in dem wir die Herrschaft über unsere Sinne und Vernunft mehr oder weniger verloren haben, und in den uns irgendeine Leidenschaft versetzt hat. Diese Leidenschaft muß aber zu den tätigen, wie die Freude, die Hoffnung, nicht aber zu den niederschlagenden, wie die Sehnsucht, der Gram u. dgl. gehören; denn die Trunkenheit, die noch edler sein soll, muß die Kräfte beleben, nicht ertöten. So kann man von Freude, Wonne, Hoffnung, Glück usw. trunken oder berauscht sein. "Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum." Schiller, Lied a. d. Fr. "Berauscht von dem errungnen Sieg, | verlerne nicht, die Hand zu preisen, | die an des Lebens ödem Strand | den weinenden verlaßnen Waisen | des wilden Zufalls Beute fand." Schiller, Die Künstler. — Die Zahl der Wörter, die den Zustand des Berauschtseins bezeichnen, ist so groß, daß wir uns begnügen müssen, hier nur noch einige wenige anzuführen; Er ist voll oder toll und voll hebt hervor, daß der Betreffende mit geistigen Getränken angefüllt ist wie ein Faß, weshalb er auch leicht kugelt wie ein solches, toll weist dabei auf den Zustand der damit verbundenen geistigen Umnebelung hin. Er ist beduselt ist derber Volksausdruck, der die geistige Betäubung anzeigt (niederdeutsch dusel = Schwindel). Er ist selig bezeichnet den Zustand als eine Erhöhung des Glücksgefühls, die mit einem gewissen Grade der Trunkenheit verbunden ist; man sagt auch: er ist weinselig, bierselig usw., wobei die bewirkende Ursache der seligen Stimmung mit angezeigt wird. Einen leichten Rausch deuten die Ausdrücke an: Er ist angeheitert, animiert, angesäuselt; einen etwas schwereren bereits: Er ist angetrunken; doch ist der Angetrunkene noch nicht völlig betrunken. Er ist illuminiert hebt spöttisch die scheinbar größere Erleuchtung des Geistes, die lebhaftere Stimmung hervor, die mit der Anfangsstufe des Rausches verbunden ist. Er ist bekneipt ist ursprünglich Studentenausdruck, der von der Kneipt auf den dort erworbenen Zustand übertragen ist, ist aber wie der Ausdruck Kneipe jetzt auch in anderen Kreisen ganz üblich geworden. Kneipe ist ein norddeutscher Ausdruck für eine kleine, enge, niedrige Schenke (niederländisch: knijp, Enge, Verlegenheit), wo man zussmmaengeklemmt, zusammengequetscht sitzen muß (kneipen = klemmen, quetschen). So nennt man in Mitteldeutschland vielfach eine Fuhrmannskneipe auch eine Fuhrmannsquetsche, womit sich dann auch der Begriff des Sitzenbleibens oder Klebenbleibens in der Schenke verbindet, weshalb auch in manchen Orten Bleibe, Klebe, Quetsche als Namen für Schenken vorkommen. Von der Fuhrmanns- und Schifferkneipe übertrug man das Wort Kneipe auf die kleinen Schenkstuben, in denen die Studenten verkehrten, und zwar als Kraftwort von den Studenten selbst eingeführt ("das deutsche Kraftwort Kneipe"). Er ist bezecht steht in der Mitte zwischen betrunken und besoffen. Es ist nicht so niedrig und derb wie der letzte, aber auch nicht so farblos wie der erste Ausdruck. Bezecht geht zurück auf die Zeche, d. i. eigentlich Beitrag zu einem gemeinsamen Schmaus oder Gelage, zu einer gemeinsamen Ordnung usw., dann auch die Rechnung des Wirtes für den gemeinsamen Schmaus, später die Wirtsrechnung überhaupt, daher dann das, was man in einem Wirtshaus verzehrt hat. Bezecht bedeutet also immer einen Rausch, den sich jemand in Gesellschaft erworben hat, daher haftet dem Worte etwas Anständigeres an als dem derben Ausdrucke besoffen. Es kann jemand total, fürchterlich, kannibalisch bezecht sein, aber nur bestialisch, schweinemäßig usw. besoffen. Die letzten beiden Beiworte können zu bezecht nicht treten. Er ist bezopft oder behaarbeutelt sind altertümliche Ausdrücke (der Haarbeutel war ein Beutel, in den im 18. Jahrhundert die Männer, der Tracht ihrer Zeit gemäß, die Haare des Hinterkopfes hineinsteckten). Von dem Hin- und Herschwanken des Zopfes bei einem Betrunkenen kam man wohl auf die genannten Redensarten. Auf den schwankenden Gang weist auch die Wendung hin: Er hat schief geladen. Scherzhafte Wendungen sind: Er hat zu tief ins Glas geguckt; er hat zu viel im Oberstübchen; er sieht den Himmel für eine Baßgeige an usw. usw.


 © textlog.de 2004 • 19.08.2019 22:14:16 •
Seite zuletzt aktualisiert: 07.08.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z