Schmelz

Schmelz. (Malerei) Die Schmelzmalerei, die man auch allgemein Emailmalerei nennt, hat ihre eigenen beträchtlichen Vorzüge, derenthalber sie verdient als eine besondere Gattung beschrieben zu werden, ob sie gleich eigentlich in die Klasse des Encaustischen gehört. Sie hat dieses eigene, dass sie mit glasartigen Farben, die im Feuer schmelzen, malt, die danach auf den Grund eingebrannt werden, dadurch auf demselben sehr sanft verfließen und also sehr dauerhafte, weder durch Wärme und Kälte, noch durch Feuchtigkeit, noch durch Staub und andere den gewöhnlichen Gemälden schädliche kleine Zufälle, schadhaft werdende Gemälde geben. Der Grund, auf den gemalt wird, muss also feuerfest sein. Er besteht entweder aus gebrannter Erde und Porcellan oder aus Metall, welches mit einem undurchsichtigen meistenteils weissen Glasgrund überzogen ist.

 Auf Gefäße von gebrannter Erde haben die Alten schon vielfältig gemalt, wie die häufigen Campanischen Gefäße, die man unter den Ruinen der alten Gebäude in Italien findet, beweisen. Wir können dieses aber nicht wohl zu der Schmelzmalerei rechnen, weil diese Gefäße matt sind und den glasartigen glänzenden Überzug, den man Glasur nennt, nicht haben, auf den die Schmelzmalerei gesetzt wird.

 Die Malerei auf Glasurgrund an gebrannten irrdenen Gefäßen mag um den Anfang des XVI Jahrhunderts, aufgekommen sein. Wenigstens sind mir keine ältern Werke dieser Art bekannt. Aber viel später ist, wie man durchgehends versichert, die Erfindung, metallene Platten mit einem Glasurgrund zu überziehen und darauf mit Schmelzfarben zu malen. Sie wird einem französischen Goldschmidt, Namens Jean Toutin aus Châteaudun zugeschrieben und in das Jahr 1632 gesetzt.1. Dass aber die Alten schon Schmelzfarben gehabt, beweißt die vortreffliche Antike, der ich im Art. Mosaisch gedacht habe und die alten Glaspasten.2 Auch hab' ich unter verschiedenen in meiner Gegenwart aus den Ruinen eines römischen Gebäudes, von den Zeiten der späteren Kaiser herausgegrabenen goldenen Juwelen, einen Ring gesehen, dessen Beschaffenheit mich auf die Vermutung brachte, dass anstatt eines Edelsteins, Email auf das Gold eingeschmelzt gewesen.

 Folgendes wird dem über diese Materie noch ununterrichteten Leser einen Begriff von dem Verfahren bei dieser Art Malerei geben.

 Man nimmt eine sehr dünn geschlagene und von allen kleinen Schieferchen wohl gereinigte Platte, allgemein von Gold oder Kupfer; auf diese streuet man, erst auf der unrechten Seite, die nicht soll bemalt werden, fein gestoßenen weißen Schmelz oder eine in nicht gar heftigem Feuer fließende glasartige undurchsichtige Materie, setzt die Platte in ein Kohlfeuer und lässt den Schmelz auf der Platte anfließen. Eben so wird danach auch die gute Seite der Platte, aber etwas diker und vorsichtiger überzogen, damit diese Seite überall gleich, mit einem reinen weißen Grund, ohne Gruben, Rizen oder Flecken überzogen sei.

 Auf diesen Grund wird nun gemalt. Die Farben sind ebenfalls von glasartigen, durch metallische Teile gefärbten Materien, die aber leichter im Feuer fließen als der Schmelz, den man zum Grund der Platte genommen hat. Diese Farben werden sehr fein gerieben und mit Wasser oder mit Lavendelöl angemacht, damit sie, wie Wasserfarben in den Pinsel fließen und zum Mahlen tüchtig werden.

 Die Umrisse zeichnet man mit einer roten Eisenfarbe, die denen darüber kommenden Farben keinen Schaden tut und denn setzt man die Platte ins Feuer, damit diese Umrisse sich auf dem Grund einbrennen. Erst hierauf werden die Farben aufgetragen. Die nun am sorgfältigsten verfahren, legen zuerst das Gemälde nur mit leichten Tinten an, die sie wieder besonders einbrennen. Hierauf malen sie die Platte etwas mehr aus und brennen die neuen Farben wieder ein. Und so wird die Bearbeitung vier bis fünfmal wiederholt, bis der Künstler mit seiner Arbeit zufrieden ist. Geringe Sachen werden auf einmal ganz ausgemalt und eingebrannt.

 Man mischt unter alle Farben mehr oder weniger Flus, das ist, in Staub zerriebenes, sehr durchsichtiges Glas, ohne alle Farbe, das nicht nur für sich sehr leicht fließt, sondern auch die Schmelzfarben leichter fließend macht. Wenn man also ein schon ziemlich fertiges Gemälde noch einmal bearbeiten will, so darf man nur etwas mehr Flus als vorher unter die Farben mischen, damit die neuen Farben sich einbrennen, ohne dass die schon vorhandenen wieder ins Fließen kommen.

 Dieses ist überhaupt das Verfahren bei dieser Art. Es ist aber mit mancherlei Schwierigkeiten verbunden und erfordert viel Kunstgriffe, die hier nicht können beschrieben werden. Man hat nicht alle mögliche Haupt- und Mittelfarben, wie bei der Ölmalerei und weil viel Arten der Emailfarben sich im Feuer ändern, so gehört hier eine große Erfahrung zu guter Behandlung des Kolorits. Mehrere Nachrichten hiervon findet man in dem vorher angezogenen Werk und in dem Traité pratique, den der Abt Pernety seinem Diktionnaire portatif de peinture etc. vorgesetzt hat.

 Außer dem schon erwähnten Toutin, haben sich vornehmlich Jean Petitot aus Gensf und dessen Schwager Jaques Bordier großen Ruhm und beträchtliches Vermögen durch diese Malerei erworben.3 Nach diesen haben sich Zink ein Schwede, der lang in England gearbeitet hat, Maytens ebenfalls ein Schwede und in Frankreich Rouquet, Liotord und Durand besonders darin hervorgetan.

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1 S. Traité des couleurs pour la peinture en émail et sur la porcellaine, précedé de l'Art de peindre sur l'émail etc. par Mr. d'Ardais de Montami. à Paris 1765.

2 S. Pasten.

3


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