Hieronymus Bosch, Bos

Bosch, Hieronymus, oder Bos, geb. um 1470, gest. um 1530, ein holländischer Maler aus Herzogenbusch, in dessen Bildern das phantastische Element der nordischen Kunst im 15. Jahrhundert sein Extrem erreicht. Seine Darstellungen sind aus einer höchst abenteuerlichen Phantasie hervorgegangen, die das Alltagsleben zur Karikatur verzerrte und aus der Mythologie und biblischen Geschichte diejenigen Gegenstände mit besonderer Vorliebe herauswählte, welche, wie die Versuchungen der Heiligen von unzähligen Teufeln, die Marter der Verdammten in den Qualen der Hölle u.s.w., die Aufnahme phantastischer Ungeheuer und Missgestaltungen erleichterte — dämonische Traum- und Graungebilde voll des tollsten und wunderlichsten Spucks. So wenig sie deshalb zu gefallen und wahren Kunstgenuss zu bieten vermögen, da überdies von Humor kaum eine Spur in ihnen zu finden ist, so muss man doch über die schöpferische Erfindsamkeit des Künstlers in der Produktion der fabelhaftesten Kreaturen erstaunen. Sie haben übrigens eine klare, oft glühende Färbung und sind höchst zierlich ausgeführt. Bosch scheint, wie manche andere seiner niederländischen Zeitgenossen, den größten Teil seines Lebens in Spanien zugebracht zu haben, wo seine Gemälde sehr gesucht waren und ihm das besondere Wohlgefallen Philipp II. erwarben, in dessen Sammlungen sich allein 16 Stücke befanden, von denen jedoch bei dem Palastbrand die Hälfte zu Grund gegangen ist. Von den dort noch vorhandenen ist das vorzüglichste eine Anbetung der Könige, mit Figuren von etwa ein Drittel Lebensgröße, im k. Museum zu Madrid, von einer allgemeinen würdigen Haltung, aber dennoch nicht ohne allerlei Teufelspuck. Ebendaselbst eine Versuchung des h. Antonius in drei Darstellungen, ein Sturz der Engel, eine Allegorie auf den Triumph des Todes und eine an Phantasterei Alles überbietende, wahrhaft sinnenverwirrende Allegorie auf die Eitelheit der Welt. Auch die Provinzialgalerie von Valencia bewahrt ein merkwürdiges Werk von Bos, drei Gemälde von ovaler Form: die Gefangennehmung Christi, die Dornenkrönung und Geisselung in halben Figuren in Lebensgröße. Außerdem sielt man von ihm im Museum zu Berlin: ein Gemälde mit zwei Flügeln, eine Darstellung der Hölle und die Versuchung des heil. Antonius; in der k. k. Galerie des Belvedere zu Wien: zwei Bilder, die Versuchung des h. Antonius darstellend. Man schreibt Bos auch einige mit Jer. Bosche und Bos bezeichnete radierte Blätter und Holzschnitte zu, nämlich: das jüngste Gericht, sehr selten; einen Elephanteu, der einen Turm trägt, umgeben von Ungeheuern; ein Elefant, der große Türme trägt, von Mönchen, Soldaten und ändern Personen mit Leitern bestürmt; die Versuchung des heil. Antonius (1522).

 

Literatur. Ratgeber, Analen der niederländischen Malerei (worin ein Veixeichnis seiner Bilder). Passavant, Die christliche Kunst in Spanien.  


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Seite zuletzt aktualisiert: 08.02.2005 
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