Paris Bordone

Bordone, Paris, ein berühmter venezianischer Maler, geb. 1500 zu Treviso, ging in Tizian's Schule, verließ dieselbe aber bald wieder, da der Meister sich zu wenig des Unterrichts seiner Schüler annahm und bildete sich nach Giorgione's Werken. Er malte in seiner Vaterstadt, in Vicenza und Venedig viele Bildnisse und Darstellungen aus der biblischen Geschichte in Öl und Fresko, ging, nachdem er sich bereits einen ziemlich bedeutenden Ruf erworben, 1538 nach Paris in die Dienste des Königs Franz I., fertigte für diesen, für den Herzog von Guise und den Kardinal von Lothringen verschiedene Bildnisse, ein Altargemälde und mehrere Szenen aus der griechischen Mythe, begab sich sodann nach Augsburg, wo er im Fugger'schen Palast und für die Familie der Priner Fresken und Ölgemälde ausführte, und kehrte über Mailand, wo er in der Kirche der Madonna preso San Celso die Kapelle des heil. Hieronymus mit Malereien schmückte, nach Venedig zurück, wo er 1570 starb.

Anfänglich ein glücklicher Nachahmer des Giorgione, ohne jedoch dessen großen Stil der Auffassung zu erreichen, schloss er sich später so sehr an Tizian an, dass seine Werke öfters dessen Namen erhalten haben. Sein Kolorit ist vom feinsten, klarsten, aber schon etwas in das Rötliche gehenden Goldton und seine Köpfe sind voll Leben. Allein seine Werke stehen bereits an der Glänzlinie, über welche hinaus das Gebiet der Weichlichkeit beginnt. Die Formen werden oft überquellend weich und der süße sinnliche Ausdruck in seinen weiblichen Gestalten streift hin und wieder an's Lüsterne. Am vorzüglichsten erscheint er in seinen Bildnissen, die bisweilen den allerbesten gleichzustellen sind. Seine weiblichen Porträts sind von einer ungemein süßen Anmut, wenn gleich nicht von sonderlich geistreicher Auffassung. Größere Darstellungen, namentlich heil. Szenen, sind nicht seine Sache. Sein berühmtestes Gemälde (in der Akademie zu Venedig) ist der Fischer, welcher, nach der Legende, in voller Senatsversammlung dem Dogen einen Ring überreicht, den er in der Nacht, während eines heftigen Sturmes, von dem heil. Marcus empfangen, eine große figurenreiche Komposition von nicht sonderlich vielem Geist, allein in Beziehung auf Ausführung der anziehendsten Wirklichkeit, wozu der Ausblick auf venezianische Prachtgebäude nicht wenig beiträgt, vielleicht das am schönsten gemalte Zeremonienbild, das überhaupt vorhanden ist. Das sinnvollste Gemälde Bordone's, ein Bild von tiefpoetischem Eindruck und auch in der Farbe ein Hauptwerk des Meisters, ist die Sibylle von Tibur (im Palazzo Pitti). Sein Abendmahl zu S. Giovanni in Bragora und sein gerühmtes Paradies (ehemals in der Kirche Ognisanti zu Treviso, jetzt in der Akademie zu Venedig) sind wirklich schwache Werke.

Zu den besten Gemälden Bordone's zählt man außer den genannten noch folgende. Im Museum zu Berlin: die Bildnisse zweier Männer, welche, im Freien sitzend, Schach spielen (bezeichnet O. Paris. B.); die in einer Nische auf dem Throne sitzende Maria hält das auf ihrem Schoss ruhende Kind, welches dem vor ihm knieenden Augustinus die Bischofsmütze aufsetzt, rechts Magdalena, links Katharina und der knieende Alò, am Fuße des Throns ein musizierender Engel; Venus ruhend auf einem roten Teppich in einer Landschaft; die unter einem Bau auf dem Throne sitzende Maria mit den h. h. Rochus, Gregor d. Grosse, Katharina und Sebastian, auf den Stufen des Throns zwei Engel mit einer Handtrommel; das Bildnis einer jungen Frau mit Federnhut in rotem Kleide, letzteres von vieler Frische in der Auffassung und ungemeiner Klarheit der Farbe; in der Galerie zu Dresden: eine heil. Familie mit dem h. Hieronymus und der h. Elisabeth; Apollo mit der Lyra zwischen Marsyas und Midas; Maria mit dem Kinde; Diana mit dem Wurfspieß; in England, in der Bridgewatergalerie zu London: eine Ruhe auf der Flucht, in einer reichen, poetischen Gebirgslandschaft; bei E. Solly in London: Perseus, welcher von der Minerva und dem Merkur bewaffnet wird, halbe Figuren; die Figuren des Lorenzo Lotto, ein Bild, das an Feinheit der Auffassung und Färbung zu den besten des Meisters gehört; in der Bildersammlung in Alton Tower: Maria, Elisabeth, der schlafende Joseph und die mit einander spielenden Kinder Jesus und Johannes, von seltenster Tiefe und Glut der Farbe; ferner ein männliches Porträt; zu Florenz im Palast Pitti (außer der erwähnten Sibylle): eine Flucht nach Ägypten, eine Kopie nach Tizian, Paul III. und einige treffliche Porträts; in den Uffizien: mehrere tüchtige Porträts; im Städel'schen Institut zu Frankfurt: eine Ölskizze zu dem Fischer, welcher dem Dogen den Ring des h. Markus übergibt (in der Akademie von Venedig); zu Genua, im Palazzo Brignole: das wunderbare Porträt eines bärtigen Mannes in schwarzem Kleid mit roten Ärmeln; das Bildnis einer Dame in rosenfarbenem Unterkleid und goldstoffenem Oberkleide; in der Pinakothek zu München: Maria mit dem Kinde unter einer Rebenlaube, der h. Rochus und die h. Magdalena; das ausgezeichnete Porträt eines Frauenzimmers in rotsammtner Kleidung; im Louvre zu Paris: Vertumnus und Pomona klar und leuchtend in der Farbe; das Porträt eines bärtigen Mannes in einem pelzverbrämten Rock; die angeblichen Porträts von Philipp II. König von Spanien und seinem Lehrer; im Museum der bildenden Künste zu Stuttgart: einige Porträts (aus der Sammlung-Barbini-Breganze); zu Treviso, in der Kathedrale: ein Bild mit Heiligen und die Geburt Christi; in der Kirche Ai Scalzi: eine. Madonna in trono; zu Venedig (außer bereits Angeführtem) im Palazzo Manfrini: eine Madonna in trono und Bildnisse; in der Galerie des Belvedere zu Wien: Venus und Adonis; ein junges Frauenzimmer am Putztisch; ein anderes, das entblößt ist und mit beiden Händen einen übergeworfenen grünen Mantel zusammenhält; ein antikes Frauenbad; ein Gladiatorenkampf und zwei allegorische Bilder.  


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 © textlog.de 2004 • 19.11.2019 00:27:12 •
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