Filippo Brunelleschi, Brunellesco

Brunelleschi, Filippo, auch Brunellesco, berühmter Baumeister, geboren im Jahr 1377 in einer alten und angesehenen Familie, übte anfänglich die Goldschmiedekunst, aus welcher Zeit noch einige Nielloarbeiten und zwei Propheten von Silber in halber Figur am Altar der Kapelle S. Jacopo in der Kathedrale zu Pistoja herrühren sollen, widmete sich aber später der Bildhauerkunst und führte, um sich auch in größeren Statuen zu üben, für die Mönche von S. Spirito zu Florenz eine (im Jahr 1471 verbrannte) Statue der Maria Magdalena von Lindenholz aus. Im Wetteifer mit seinem vertrauten Freunde Donatello vollendete er ein Kruzifix*) aus Holz (in der Kirche S. Maria novella zu Florenz), mit dem er den Sieg über das des ersteren, nach dessen eigenem Geständnis, davontrug, weil jenem in seinein Werke über dem einseitigen Naturalismus, der Adel der Formen und des Ausdrucks verloren gegangen war, welche Brunelleschi seinem Körper Christi bei aller Naturwahrheit zu verleihen gewusst hatte. Neben diesen Arbeiten beschäftigte er sich viel mit der Perspektive, unterrichtete auch darin seinen Freund Masaccio, der dieselbe zuerst auf die Malerei anwandte ; ferner mit der Kunst, buntes Holz zusammenzusetzen, worin er eine neue Methode einführte, deren Befolgung man das Beste zu verdanken hat, was in eingelegter Arbeit in Florenz zu Stande gekommen. In der 1401 ausgeschriebenen Konkurrenz um die noch fehlenden Bronzetüren am Baptisterium S. Giovanni zu Florenz war er mit noch mehreren der ausgezeichnetsten Bildhauer Mitbewerber; die Arbeit wurde indessen dem Lorenzo Ghiberti übertragen, worauf Brunelleschi und sein Freund Donato nach Rom gingen, dieser, um sich in der Plastik, Brunelleschi aber um sich in der Baukunst, die er schon früher getrieben, weiter auszubilden, da sein ganzes Streben dahin ging, lieber in einer Kunst der erste seiner Zeit zu werden, als in zweien der zweite, oder darin mit ändern auf gleicher Stufe zu stehen. In Rom, wo damals noch eine bedeutend größere Anzahl antiker Gebäude vorhanden war als jetzt, studierte er, stets von dem Gedanken beseelt, der Baukunst eine andere Richtung zu geben, mit der unermüdlichsten Beharrlichkeit die Architektur der Alten und ihre Technik, und kehrte erst 1407 wieder nach Florenz zurück, besuchte aber die ewige Stadt später noch mehreremale, bis es ihm gelang, seine dort erworbenen Kenntnisse an einem Bau zu erproben, der für alle Zeiten, als eines der großartigsten und kühnsten Werke der Baukunst in Ansehen bleiben wird. Es ist die Überwölbung des achteckigen Chorraums des Domes von Florenz. Lange Zeit hatte man an der Möglichkeit der Ausführung gezweifelt, Brunnellischi aber, der sich schon in Rom vielfach damit beschäftigt, und Zeichnungen und Modelle dazu gemacht hatte, vermochte es, in einer großen Versammlung von Baumeistern aller Länder, die zu diesem Behufe im Jahr 1420 in Florenz zusammen gekommen war, dieselbe nachzuweisen und bewerkstelligte dieselbe auch, nachdem er im Jahr 1423 Dombaumeister geworden war, vermittelst einer doppelten achtseitigen Kuppel.**) So sehr aber auch dieses Riesenwerk die Tätigkeit des Künstlers in Anspruch nehmen mochte, Brunelleschi führte in der Zwischenzeit nichtsdestoweniger noch mehrere prachtvolle Bauten zu Florenz aus. So sind — außer verschiedenen nach seinen Modellen errichteten Vesten, Brücken und Dämmen in Mantua, Mailand und Pisa, des Hafens von Pesaro, der Abtei der regulierten Chorherrn zu Fiesole, verschiedenen Privatgebäuden zu Florenz, der Loggia dei Jnnocenti, einer Kapelle im Klosterhof von S. Croce und der Kirche degli Angeli — namentlich die Kirchen S. Lorenzo und S. Spirito zu Florenz, beides Basiliken, sein Werk. An der ersteren hatte er jedoch nur ein schon begonnenes Gebäude umzugestalten, die zweite, ganz nach seinem Plane aufgeführt, ist vielleicht eine der regelmäßigsten und konsequentesten Kirchenbauten, die jemals ausgeführt wurden. Außerdem erbaute er den Palast Pitti zu Florenz, ein kolossales, aus ungeheuren Bossagen ausgeführtes, in seiner Einfachheit höchst großartig wirkendes. Gebäude, dessen burgartiger Charakter für geraume Zeit der Typus der florentinischen Paläste wurde. (Der Oberbau des Palastes und der Hof desselben kamen aber erst später durch Ammanati zur Vollendung.) Brunelleschi starb 1446 und ward in S. Maria del fiore begraben, woselbst man auch noch seine von seinem Schüler Buggiano nach der Natur in Marmor ausgeführte Büste sieht. Im Jahr 1830 sind dem Erbauer und dem Vollender des Doms von Florenz, Arnolfo und Brunelleschi, kolossale Statuen in Nischen an der Außenseite der Kirche von der Hand des Bildhauers Pampaloni gesetzt worden, die zu den besten Werken der neuern italienischen Skulptur gehören.

Brunelleschi gilt für den Begründer der modernen Architektur, der sogenannten Renaissance, weil er der erste war, der die italienische Baukunst auf den Prinzipien der antiken wieder herzustellen bemüht war, indem er deren Formen und Konstruktionen mit Geist und Geschmack und nicht ohne Zutat von eigener Erfindung auf moderne Anforderungen anwandte. Doch hielt er sich in mehreren seiner Kirchenbauten immer noch an den rundbogigen Basilikenstil, nur mit größerer Reinheit der Formen, wie er auch in dem gleichzeitig von ihm begründeten Stil des florentinischen Häuserbaus seine Vorliebe für das rundbogige System beurkundet, obgleich die wesentlichen Gesetze und Verhältnisse desselben von der antiken römischen Bauweise genommen sind. — Seine Bildnerarbeiten zeigen, der Richtung des Donatello ähnlich, viel Studium der Form und auch Nachahmung der Antike. Das von ihm in jenem erwähnten Wettstreit gefertigte Relief befindet sich unter den Bronzen der Galerie degli Uffizi zu Florenz.

Brunelleschi bildete mehrere Schüler: Luca Fancelli, Domenico del Lago, Gieremia von Cremona, Simone, Antonio und Niccolo aus Florenz, Antonio Manetti und Andreino von S. Gimignano.

 

Literatur. Moreni, Vite di Filippo di Ser Brunellesco. Florenz 1812. — Vasari, Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister. — Burkhardt, der Cicerone.

 

*) Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. der Kunstgesch. Taf. 66, Fig. 7.

**) Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. d. Kunstgesch. Taf. 57, Fig. 2.


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