Paul Bril, Brill

Bril, Paul, auch Brill geschrieben, der Bruder und wahrscheinlich auch der Schüler des Vorigen, ein ausgezeichneter Landschaftsmaler, geb. 1556 zu Antwerpen, gest. 1626 zu Rom, hatte sich in jüngeren Jahren in Breda, dann wieder in Antwerpen, hierauf längere Zeit in Lyon aufgehalten, bis er, veranlasst durch die bedeutenden Erfolge, welche Mattheus Bril in Rom davon getragen, sich auch dahin begab und hier nun im Verlaufe eines mehr als vierzigjährigen Aufenthalts eine Tätigkeit entwickelte, welche auf die Landschaftsmalerei seiner künstlerischen Zeitgenossen und Nachfolger einen entschiedenen Einfluss ausübte. Seine früheren landschaftlichen Gemälde sind noch bunt, in der phantastischen Manier seiner Vorgänger gehalten, allmählich aber, und unter Einwirkung des Studiums der italienischen Natur und der landschaftlichen Werke Tizians und des Ann. Caracci (der aber später Bril selbst wieder gar Manches zu verdanken hatte) vereinfachte und veredelte sich sein Stil und er lernte sein feines Naturgefühl in großartiger Auffassung und auf höchst poetische Weise aussprechen. In den Bildern dieser entwickelteren Periode herrscht eine große einsame Ruhe, eine feierliche, oft, zumal wenn Ruinen verfallener römischer Herrlichkeiten darauf dargestellt sind, an ernste Wehmut anklingende Stimmung. Sie sind eben so tief gefühlt im Wiedergeben der Totalerscheinung der Natur in Luft und Licht, in der Schönheit der Beleuchtung, als wahr in den Einzelheiten der vom sanften Hauch der Luft bewegten Bäume und Gesträuche, als bewundernswürdig fein in der zarten Abstufung der Töne und bestimmt und klar in der Charakteristik der Jahres- und Tageszeiten. Sorgfältig und sauber in der Ausführung bringen sie auch stets eine angenehme Wirkung hervor. Sie lassen sich bis 1624 verfolgen und scheinen nicht ohne Einwirkung auf den seit 1644 tätigen Claude Lorrain gewesen zu sein. — Im Museum zu Berlin sieht man von Bril: fünf Bilder, worunter ein Seestück von vorzüglichem Wert und den Turmbau von Babel, ein durch unsägliche Ausführung merkwürdiges Bildchen (mehrmals wiederholt und wahrscheinlich vor des Künstlers Aufenthalt in Italien gemalt); in der Galerie zu Dresden: sieben Landschaften, unter denen eine mit Staffage von Ann. Caracci; in England, in den Gemäldesammlungen zu Blenheim, in Castle Howard, vortreffliche Landschaften; bei Herrn Beckford in Bath: den Turmbau zu Babel; zu Florenz, in der Galerie der Uffizien: Bilder aus allen Perioden seiner künstlerischen Entwicklung; im Palazzo Pitti: zwei aus der mittleren Zeit; in der Pinakothek zu München: zwei Landschaften; im Museo Borbonico in Neapel: eine Landschaft mit der Taufe Christi, eine andere mit einer die Orgel spielenden h. Cäcilie staffiert; im Louvre zu Paris: mehrere seiner schönsten Bilder, worunter eine italienische Gegend mit Ruinen im Abendlichte, die bereits Claude Lorrain nahe steht, und einige andere Landschaften mit Staffage von A. Caracci; zu Rom, im Vatikan und Lateran: Freskolandschaften, und mehrere Ölbilder im Lateran, in den Palästen Sciarra, Rospigliosi, Doria Pamfili u.s.w. Die Sammlung des Erzherzogs Karl zu Wien verwahrt von Bril eine Zeichnung der Trajansäule. — Bril hat auch einige Blätter, worunter zwei Ansichten von Campanien (1590) und eine bergige Landschaft, mit Figuren und Vieh im Vordergrunde, links ein betender Kapuziner, radiert. Galle, Hollar, Hondius, Neulandt, M. de Passe, die Sadelers, Vorsterman, Le Bas u. A. haben nach ihm gestochen. Bril's Porträt, von van Dyck gemalt, stach Peter de Jode.


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