Eduard de Biefve

Biefve, Eduard de, ein berühmter niederländischer Historien- und Porträtmaler, geb. 1808 zu Brüssel, erhielt den ersten Unterricht in der Kunst auf der Akademie der schönen Künste seiner Vaterstadt, studierte sodann von 1828 — 1830 in der Schule des Historienmalers Paelinck daselbst und begab sich 1831 nach Paris, wo er sich 10 Jahre lang mit beharrlichem Fleiße und ausgezeichnetem Erfolge der Malerei widmete. Von hier aus beschickte er die Ausstellungen in Antwerpen, Gent und Brüssel mit verschiedenen Arbeiten, welche immer eine entschieden günstige Aufnahme fanden und mit jeder neueren Hervorbringung Zeugnis von der außergewöhnlichen Begabung des Künstlers ablegten. Im Jahre 1835 sah man von ihm einige kirchliche Bilder in einer Kapelle zu Brüssel und 1836: Graf Ugolino und seine Söhne in dem Turm von Gualandi zu Pisa, ein treffliches Bild, das ihm die silberne Medaille eintrug. 1841 endlich lieferte er auf die Ausstellung zu Gent sein Hauptwerk, die für das belgische Nationalmuseum bestimmte Unterzeichnung des Kompromisses der Edlen von Burgund im Jahr 1566, ein Gemälde vom höchsten Kunstwerte, das mit einem ändern Bilde, der Abdankung Karl V. von Gallait einen Triumphzug durch ganz Deutschland machte. Man bewunderte an demselben besonders den großartigen Moment von hohem nationalem Interesse, der eine Menge bedeutender Persönlichkeiten zu einem Ganzen von gewaltigem Eindruck zusammenfasst, das dramatische Leben der Komposition, die feierliche Haltung und Gemessenheit der Handlung, die Kraft, Fülle und frische Energie der Gestalten, die schlagende bis zur Illusion gehende Wirkung, die leuchtende Carnation und die außerordentliche Meisterschaft der Technik. Die Kommission des Provinzialrats von Brabant sandte dem Künstler, in Anerkennung dieser hervorragenden Kunstleistung, die große goldene Medaille und der Rat seiner Vaterstadt überreichte ihm einen reichen goldenen Becher mit der Umschrift: „La ville de Bruxelles, à Edouard de Biefve, 13. Septembre 1841." Im selben Jahre noch kehrte de Biefve in sein Vaterland zurück, woselbst er sich seit der Zeit aufhält, und in erfreulicher Wirksamkeit tätig ist.

Das nächste auf das Kompromiss folgende Bild war der Damenfrieden (paix des dames), so genannt, weil derselbe ohne Zuziehung männlicher Diplomaten von zwei Fürstinnen, Margaretha, der Schwester Karl V. und Louise von Savoyen, der Mutter Franz I., am 5. Aug. 1529 in einem Privathause zu Cambrai geschlossen wurde und den zweiten Krieg Karl des V. und Franz des I. beendigte. Für den König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen malte de Biefve: König Karl I. von England, der in Gegenwart seines Hofs dem Rubens zur Anerkennung seiner Verdienste als Vermittler des 1630 zwischen Spanien und England zu Stande gekommenen Friedens eine goldene Kette mit seinem Bildnis um den Hals hängt. Das Bild ist reich an Figuren und von großer Wirkung; die meisten der Hauptpersonen sind Porträts, nach den bewährtesten gleichzeitigen Bildnissen der Dargestellten ausgeführt. Im Jahr 1852 war zu Berlin sein: Herzog Alba, der Enthauptung von Egmont und Horn zuschauend, ausgestellt, ein Bild von ziemlicher Bedeutungslosigkeit der Komposition, aber von meisterhafter Technik. Für den Sitzungssaal des Senats von Brüssel vollendete de Biefve 1853: Belgien, das Königtum gründend. In der Gestalt einer jungen, von den Hauptstädten des Landes in allegorischen Figuren und den Haupttatkräften der verschiedenen Provinzen umgebenen Frau, steht Belgien in reichem Purpurmantel, die Rechte auf die Königskrone stützend, den Blick gen Himmel erhoben. Die Ausführung dieses im Gedanken unendlich faden Bildes wird sehr gelobt.

De Biefve hat verschiedene Ehren-Auszeichnungen erhalten. Er ist Mitglied der Akademien von Berlin, Dresden, München, Wien und der König von Preußen verlieh ihm den roten Adlerorden III. Klasse.  


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