Francois Biard

Biard, Francois, einer der berühmtesten französischen Genremaler, geh. 1800 zu Lyon, bildete sich in der Kunstschule seiner Vaterstadt und bereiste sodann Spanien, Griechenland, Syrien, Ägypten, um, in's Vaterland zurückgekehrt, den auf seinen Reisen gewonnenen großen Reichtum an Anschauungen in Bildern verarbeiten zu können, ein Vorhaben, das ihm auch auf eine ebenso überraschend vielseitige als glückliche Weise gelang. Seine von Geist übersprudelnden Gemälde, seien sie von tiefem Ernst durchdrungen oder treibe der Humor und Witz darin sein geniales Spiel, zeichnen sich durch die Poesie des das Ganze beherrschenden Gedankens, die Mannigfaltigkeit und die natürliche und schöne Anordnung der Motive, das dramatische Leben, die treffende Charakteristik, die feine Naturbeobachtung, die Wahrheit und den Glanz der Farbe und die meisterhafte Technik aus. Seine komischen Bilder mit ihrer Fülle der burleskesten Situationen, haben ihm unter seinen Landsleuten den Beinamen des „Molière der Malerei" erworben. Das erste größere Bild von ihm, einen in der Wüste vom Winde überfallenen arabischen Stamm, an dem man besonders die großartig poetische Auffassung, das erschütternde Pathos und die Glut des Tons rühmte, sah man in der Ausstellung vom Jahr 1833 zu Paris. Dieser mit großen Beifall aufgenommenen Darstellung folgten andere Produktionen, die den Ruf des Künstlers steigerten und für immer befestigten. Unter seine gerühmtesten Bilder gehören: wandernde Komödianten; der Sklavenmarkt, ein Meisterwerk von hohem tragischem Ernst und ergreifender Wahrheit der Darstellung (1835); die Revue einer Dorfnationalgarde, welche wegen der außerordentlich drastischen Komik wahrhaft Furore machte; der Dorfküster; der Porträtmaler; herumstreichende Komödianten, ein Bild, das Hogarth's bekannte Idee künstlerischer wiedergibt (1836); Duquesne, der 1683 die europäischen Sklaven in Algier befreit; die Folgen eines Schiffbruchs, ein geistreiches Aneinanderreihen der Extreme, des Schrecklichen und Burlesken; das Familienbad; die geteilten Honneurs, ein kleines Meisterwerk voll des launigsten Mutwillens; der Harem, eine allerliebste Karikatur auf orientalische Sitten (1837); der Halb in der Wüste, voll Effekt und eigentümlich poetischem Reize (1838); die Folgen eines Maskenballs, Post restante, das Familienkonzert, das unterbrochene Mittagsmahl, äußerst geniale Karikaturen auf gesellschaftliche Zustände, die auf der Ausstellung ein solches Gedränge von Beschauern um sich versammelten, dass man sie durch Schildwache schützen musste (1839). In demselben Jahre noch machte Biard eine Reise nach Lappland, Spitzbergen und dem Eismeer. Von da zurückgekehrt sah mau von ihm 1841: den Abschied des im Seetreffen sehwerverwundeten Du Couedic von seiner Schiffsmannschaft; den Herzog von Orleans in einem Zelte bei den Lappen; den Pfarrer Cässedius, die heidnischen Lappen unterrichtend; die ledigen Jungfern; den schildwachstehenden Nationalgardisten; den Regimentstarnbour im Beichtstuhle; 1842: Überfahrt auf dem Dampfschiff bei stürmischer See; 1844: König Louis Philipp beim Wachtfeuer der Nationalgardisten im Jahr 1832; Unannehmlichkeiten einer Vergnügensreise; die Zimmermiete; 1845: Johanne Shore, die in den Strassen London's den Hungertod stirbt, eine Nacht- und Schauderszene; 1848: die Schiffbrüchigen; 1851: eine höchst komische Szene an einem Fluss; 1852: Hudson von seiner Schiffsmannschaft verlassen und dem Tode preisgegeben; Sibylla Merian und der kleine Rosander; die Sünder, Szene in einer Dorfkirche. Im Jahre 1853 hatte Biard auf der Kunstausstellung zu München ein monströses Bild: „Gulliver auf der Insel der Riesen, die Blumen und Insekten mit Hülfe des Mikroskops treu nach der Natur vergrößert", eine offenbare Verirrung vom Wege der Kunst und dem Begriffe reinen Geschmacks. — Biard malte auch mehrere treffliche Bildnisse.  


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