Konzert

Konzert. (Musik) Dieses Wort hat zweierlei Bedeutung. Es bezeichnet eine Versammlung von Tonkünstlern, die zusammen eine Musik aufführen; und bedeutet auch eine besondere Gattung des Tonstücks. Im ersten Sinn sagt man: Es ist heute Konzert bei Hofe; ein wöchentliches Konzert. Im anderen Sinn wird das Wort genommen, wenn man sagt: Er hat ein Violin- oder Flötenkonzert, gemacht. In folgenden Anmerkungen wird das Wort in dieser zweiten Bedeutung genommen.

 Die Konzerte sind von zweierlei Gattung; die von den Italienern durch die Namen Konzerto grosso und Konzerto di Camera, unterschieden werden. Das erste hat mehrere Hauptstimmen, damit verschiedene Instrumente mit einander gleichsam streiten; und eben daher, (nämlich von dem Wort concertare) hat diese Art der Musik ihren Namen. In solchen Stücken ist eine beständige Abwechslung der Instrumente, da bald dieses, bald ein anders den Hauptgesang oder die Hauptstimme führt, bald alle zusammen eintreten. Die Hauptstimmen wechseln so gegen einander ab, dass das, was das eine Instrument gespielt hat, von einem anderen nach der ihm eigenen Art, bald freier, bald genauer nachgeahmet wird. Zu Verfertigung solcher Konzerte also hat der Tonsetzer alle Künste des Kontrapunkts 1 nötig; und da überhaupt die Arbeit müh sam und weitläufig ist, so findet sich selten ein Tonsetzer, der sich damit abgibt; daher solche Konzerte, besonders in Deutschland, ungewöhnlich sind.

 Das gemeine Kammerconcert kommt desto häufiger vor, weil jeder Virtuos glaubt, durch ein solches Konzert die beste Gelegenheit zu haben, seine Geschicklichkeit zu zeigen. Ein solches Konzert ist also für ein besonderes Instrument, das Klavier, die Violine, die Flöte, die Bassgeige, die Gambe u. s. f. gemacht, welches die Hauptstimme des Tonstücks führt. Die Einrichtung desselben ist, nach dem, was jetzt gewöhnlich ist, folgende. Es besteht aus drei Hauptteilen, davon der erste ein Allegro, der zweite ein Adagio oder Andante und der dritte wieder ein Allegro oder Presto ist. Der erste Teil ist allgemein der längste, der letzte der kürzeste und man kann sich von der Größe eines solchen Tonstücks aus dem ungefähren Zeitmaasse, das Quantz dafür angibt, einen Begriff machen. Nach seiner Bemerkung hat das Konzert die beste Größe, wenn der erste Teil etwa fünf Minuten lang, der andere fünf bis sechs und der dritte drei bis vier Minuten und also das ganze Konzert eine Viertelstande dauret. Jeder Teil fängt mit allen Instrumenten zugleich an und hört auch so auf; in der Mitte lässt sich meistenteils nur das Hauptinstrument hören und hat dann bloß einen begleitenden Bass, hier und da aber eine sehr einfache Begleitung anderer Instrumente; doch fallen sie auch mitten im Stücke bisweilen wieder ein. Wem mit besonderen Anmerkungen über die Beschaffenheit dieses Konzerts gedient ist, der kann in Quantzens Anweisung die Flöte zu spielen, im XVIII. Hauptstück, den 32sten und einige folgende Paragraphen lesen. Wir begnügen uns hier folgendes anzumerken. 1. In dem Ritornel wird der Hauptsatz, den die konzertierende Stimme danach ausarbeitet und verzieret, vorgetragen. Dieses schließt in dem Haupttone, ehe der Konzertist anfängt. 2. Hierauf lässt sich die konzertierende Stimme hören und trägt entweder die Melodie des Ritornels vor oder lässt gar eine andere hören, mit welcher sich der Hauptsatz des Ritornels ganz oder stückweise vereinigt. Je mehr neues in der Konzertstimme vorkommt, das im Ritornel nicht gehört worden, wenn nur dabei in der Begleitung Sätze aus dem Hauptthema vorkommen, desto besser wird es sich ausnehmen. Hingegen steht es nicht gut, wenn die konzertierende Stimme verschiedene Passagen anbringt, die mit dem Hauptthema keine Verbindung haben. 3. Man kann wechselsweise mit fünf- vier- drei- und zweistimmigem Spiel abwechseln. Aber je weniger Stimmen sind, desto mehr muss sich der Gesang durch wahre Schönheiten der Melodie auszeichnen. 4. Hierbei können mit Überlegung allerlei Arten von Kontrapunkten, gebundene und freie Nachahmungen und selbst Canones von al lerhand Arten angebracht werden.

 Das Konzert hat eigentlich keinen bestimmten Charakter; denn niemand kann sagen, was es vorstellen soll oder was man damit ausrichten will. Im Grund ist es nichts als eine Übung für Setzer und Spieler und eine ganz unbestimmte, weiter auf nichts abzielende Ergötzung des Ohres.

 Konzertirende Stimmen oder Instrumente sind solche, die in einem Tonstück nicht bloß zur Begleitung oder Ausfüllung dienen, sondern mit anderen in Führung der Hauptmelodie abwechseln.

 

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1 S. Kontrapunkt.

 


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