Metopen

Metopen. (Baukunst) Sind in der dorischen Säulenordnung die Vertiefungen an dem Fries, zwischen den Tryglyphen oder Dreischlitzen, von deren Ursprung und Beschaffenheit bereits im Artikel dorische Säulenordnung das Wesentlichste ist angemerkt und durch die dortstehende Figur erläutert worden. Von den guten Verhältnissen ihrer Größe, welches ein wichtiger Punkt ist, kommt im Artikel Säulenordnung das nähere vor. Da diesem Artikel in der Hauptsache nichts übrig geblieben ist, wollen wir ein paar Anmerkungen über das Seltsame und Willkürliche im Geschmack anbringen, worauf die Betrachtung der Metopen natürlicher Weise führt.

Die erste betrift das Willkürliche. Aus dem, was in den Artikeln Gebälk und dorische Ordnung angemerkt worden, wäre zu vermuten, dass die Metopen jedem Fries, welcher Ordnung es sei, nicht nur natürlich, sondern wesentlich seien; und doch sind sie nur in der dorischen Ordnung gebräuchlich. Sollte dieses daher kommen, dass bloß in dorischen Gebäuden der Gebrauch gewesen, den Zwischenraum der Balken an dem Fries, etwa aus Nachläßigkeit (denn die Dorier scheinen überall weniger fein als die anderen Griechen gewesen zu sein) offen zu lassen? Oder ist die dorische Ordnung, wie es auch aus anderen Umständen scheint, die älteste und in Gang gekommen, ehe man über die Verfeinerung der Gebäude nachgedacht hat, da die anderen Ordnungen erst aufgekommen sind als man schon die Kunst etwas verfeinert hatte? In diesem Falle lässt sich begreifen, dass man in der ionischen und korinthischen Ordnung die Balken am Fries gleich anfänglich vermauert hat, so dass der ganze Fries eine platte Bande geworden ist.

Aber warum würde man jetzt einen Baumeister tadeln, wenn er in diesen zwei Ordnungen Balkenköpfe und Metopen anzeigte, da sie ihnen doch eben so natürlich als dem dorischen Fries sind? Deswegen, weil es gut ist, da einmal ein ungefährer Zufall bloß einer Ordnung zugeeignet hat, was allen gleich natürlich ist, dass durch die besonderen Abzeichen der Ordnungen eine mehrere Mannigfaltigkeit in den Bauarten beibehalten werde. Indessen ist Goldmann nicht zu tadeln, dass er in der toskanischen Ordnung durch Einführung der Abschnitte [s. Abschnitt] auch Metopen anbringt.

Noch weniger kann das seltsame und eigensinnige des Geschmacks gerechtfertigt werden, das sich in der alten Verziehrung der Metopen zeigt, denen Hirnschädel von Opferthieren, ein in der Tat ekelhafter Gegenstand, zur Zierrat dienen mussten. Dieses soll uns sehr sorgfältig machen, alles, was zum Geschmack gehört, aus allgemeinen Grundsätzen herleiten zu wollen. Denn welcher Grundsatz würde uns darauf geführt haben, dass an sich äußerst widrige Dinge, derglei chen Hirnschädel und abgehauene Köpfe ermordeter Menschen sind [s. Masken]; die nur aus Nebenumständen für ein noch wildes Volk, angenehme Gegenstände ausmachen, bei der äußersten Verfeinerung des Geschmacks als wesentliche Zierraten der schönen Baukunst sollten empfohlen werden? 


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Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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