Masken

Masken. (Schauspiel; Baukunst) Die Masken, deren sich die Alten in Schauspielen bedient haben und die bisweilen noch in Balletten gebraucht werden, sind von Pappe oder einer anderen leichten Materie gemachte Gesichter oder ganze hole Köpfe, die man über die natürlichen Gesichter legt, entweder um unerkannt zu bleiben oder eine beliebige zum Zweck des Schauspiels dienliche Gestalt anzunehmen. Es gehört nicht zu unserem Zweck ausführlich von den Masken der Alten zu sprechen, da ihr Gebrauch völlig abgekommen ist. Wer darüber nähern Unterricht verlangt, kann Bergers Abhandlung de personis s. larvis und die von Piccard nach alten Zeichnungen gestochenen Masken in Daciers Terenz, zurate ziehen. Gegenwärtig werden bisweilen zu den niedrig komischen Balleten noch Masken gebraucht, wo possierliche Gesichtsbildungen und Karikaturen zum Inhalt der Stücke notwendig sind. Wenn sie geistreich ausgedacht sind, so tun sie zur Belustigung ihre gute Wirkung. Wirklich überraschend und seltsam sind die Masken, die über den ganzen Leib gehängt werden, wodurch Tänzer von gewöhnlicher Statur in Zwerge verwandelt werden.

In der Baukunst werden Menschenköpfe, die an Schlusssteinen der Bogen ausgehauen werden, von den Italienern Mascaroni, im Deutschen Masken oder Larven genannt. Diese Zierrat hat, wie alle anderen Zierraten der Baukunst ihren Ursprung in der Nachahmung einer alten Gewohnheit. Man findet nämlich, dass bei verschiedenen barbarischen Völkern, wie bei den alten Galliern, diejenigen, welche einen Feind in der Schlacht erlegt, dessen Kopf danach oben an ihren Haustüren als ein Siegeszeichen angenagelt haben. Wie also die Schädel der Opfertiere in den dorischen Fries aufgenommen worden [s. Dorisch], so sind auch die Masken entstanden und auf eine ganz ähnliche Weise die Trophäen von eroberten und an den Häusern der Eroberer aufgehängten Waffen.

Es ist angenehm zu sehen, wie das menschliche Genie zu allen Zeiten und in allen Ländern sich auf eine ähnliche Weise äußert. Alle wesentliche Zierraten der griechischen Baukunst sind aus Nachahmung gewisser, bei den noch rohen Hütten, die älter als die schöne Baukunst sind, natürlicher Weise vorhandenen Teilen, entstanden [s. Gebälke]. Ich habe in nordischen Seestädten eine gotische Zierrat an alten, nach damaliger Art prächtigen Gebäuden gesehen, die gerade auf eine ähnliche Weise entstanden ist. Die Gebäude sind von gehauenen Sandsteinen aufgeführt, an der Mauer unter den Fenstern sind diese Steine sehr sauber so ausgehauen, dass sie einen von Weiden geflochtenen Zaun vorstellen. Ohne Zweifel haben die nordischen Völker ihre Hütten ehedem so gebaut, dass sie den offenen Raum zwischen den dazu aufgerichteten Pfeilern mit einem Zaungeflechte von Weiden ausfüllten. Also hat der longobardische oder wendische Baumeister seine Zierraten gerade auf die Art erfunden, wie der Griechische die seinigen. Ich kann noch ein anderes Beispiel anführen. Es ist an vielen Orten, wo der Geschmack der Bauart eben noch nicht verfeinert worden ist, gebräuchlich, die Türen mit zwei ins Kreuz übereinander gestellten Baumstämmen, an denen noch etwas von den abgehauenen Ästen sitzt, zu bemalen. Eine offenbare Nachahmung der an vielen Orten auf dem Lande noch vorhandener Gewohnheit, die Eingänge in Gebäude mit zwei solchen Bäumen zu versperren, damit dadurch wenigstens das größere Vieh vom Eingang abgehalten werde.

Übrigens verdienen hier die Masken, welche an dem Berlinischen Zeughause über die Fenster an dem innern Hofe dieses prächtigen und in der Tat schönen Gebäudes angebracht sind, einer besonderen Erwähnung. Sie sind alle nach Modelen des großen und doch wenig berühmten Schlüters*) gearbeitet und stellen in der Schlacht sterbende Gesichter mit solchem Leben und solcher Mannigfaltigkeit des leidenschaftlichen Ausdrucks vor, dass jeder Kenner in Bewunderung derselben gesetzt wird. Der sehr schätzbare Berlinische Historienmaler Rohde hat sie in Kupfer geätzt herausgegeben.**) 

 

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*)  Dieser vortrefliche Künstler verdient näher bekannt zu sein. Er war ein eben so großer Baumeister als Bildhauer in Diensten König Friedrichs des ersten in Preußen. In Berlin sind außer dem Königlichen Schloße und einigen anderen Gebäuden von seiner Erfindung, noch vortrefliche Werke des Meissels vorhanden, davon schon viele vom Herren Rohde geätzt worden. Unter anderen sind die beiden in der Berlinischen Schloß- und Dohmkirche stehenden Särge Friedrichs des Ersten und seiner zweiten Gemahlin, Denkmale von großer Schönheit, die kein Kenner ohne Bewunderung und kein Künstler ohne Nutzen betrachten wird.

**) Sie sind mit einem kurzen Vorbericht unter dem Titel: Larven, nach den Modelen des berübmten Schlüters von B. Rohde in klein Folio herausgekommen.

 

 


Vergleiche ferner:

- Tierdienst und Tiermasken (Hegel, Vorl. ü. d. Ästhetik)

- Venedig: »Le Baruge Chiozzotte« (Goethe, Italienische Reise)


 © textlog.de 2004 • 20.06.2019 05:32:22 •
Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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