Dorische Säule, Dorische Säulenordnung

Dorische Säule. Dorische Säulenordnung. Ist von den fünf Ordnungen der Baukunst die zweite [s. Säulenordnung], und scheint die Älteste und auch die gewöhnlichste der drei griechischen Ordnungen zu sein. Sie unterscheidet sich durch ein starkes und etwas strenges Ansehen, das keine Zierrate leider als die, deren Ursprung aus der ehemaligen Art, die Gebäude ganz von Holz aufzuführen, unmittelbar entstanden sind. Sie ist vornehmlich durch ihren Fries kennbar, dessen Dreischlitze oder Triglyphen c, c, deutlich die Köpfe der in bloß hölzernen Gebäuden, auf den Unterbalken a b liegenden Balken und dessen Metopen d, d, den leeren Raum von einem zum anderen anzeigen. Die hier beigefügte Figur gibt einigen Begriff von der dorischen Ordnung, bei welcher die Säulen, wie hier, oft ohne Füße gewesen sind.

Die Griechen sagten, wie Vitruvius berichtet, dass Dorus König in Achaja einen Tempel gebaut habe, der diese Bauart gehabt, die den Griechen so wohl gefallen, dass sie danach vielfältig nachgeahmt worden. Nach Pokoks Bericht aber findet man in Amara, einer sehr alten Ägyptischen Stadt, Säulen, die eine große Ähnlichkeit mit den dorischen haben. Ohne Zweifel ist diese Ordnung anfänglich bloß zu Tempeln gebraucht worden und man ließ, da alles noch von Holz war, den Raum zwischen den Balken offen. Vermutlich sah man noch zu den Zeiten des Euripides ganz alte Tempel, wo das Gebälk so war; denn dieser Dichter lässt, wie Winkelmann [Über die Baukunst der Alten S. 24] sehr wohl anmerkt, in seiner Iphigenia den Pylades dem Orestes den Vorschlag tun, sie wollen durch den offenen Raum zwischen den Triglyphen in den Tempel der Diana her einsteigen. Ein ehemaliger guter Baumeister in Berlin hat den Einfall gehabt, dieses so gar in einem von Stein gemachten dorischen Gebälk nachzuahmen, wie daselbst an dem Ende des sogenannten Mühlendammes zu sehen ist.

Dieser offene Raum zwischen den Balken mag einen Priester auf den Einfall gebracht haben, die Schädel von den Opfertieren dahin zu setzen und daher entstand vermutlich ein nachher allgemeiner Gebrauch dieses zu tun. Als man danach das Gebälk aus Steinen machte und die Metopen ausmauerte, war man so sehr gewohnt, Schädel von Opfertieren an diesen Stellen zu sehen, dass solche in den Metopen in Stein ausgehauen wurden. Man muss eine sehr übertriebene Liebe fürs Altertum haben, um dieses noch jetzt nachzuahmen. Gegenwärtig ist es unendlich schicklicher, die Metopen mit Sachen auszuzieren, die eine Beziehung auf die Bestimmung der Gebäude haben. Dieses ist mit guter Überlegung und viel Geschmack an dem Berlinischen Schloss und an dem Zeughause geschehen.

Es sind noch Ruinen von alten dorischen Gebäuden vorhanden, deren hohes Altertum aus der rohen Form und den plumpen Verhältnissen der Säulen kann abgenommen werden. Diese sind konisch, die Höhe hat nicht einmal fünf Säulendicken [Winkelmann l. c]. Man findet, dass die Alten die Verhältnisse der dorischen Säulen von Zeit zu Zeit geändert und die Höhe derselben nach und nach von vier Säulendiken bis auf sieben heraufgetrieben haben, bei welchem letzten Verhältnis man noch jetzt bleibt, da man dem Säulenstamm insgemein 14 Model, dem Fuß aber einen und dem Knauf auch einen, folglich der ganzen Säule 16 Model für die Höhe gibt.

Diese Ordnung ist wegen der Austeilung der Triglyphen die schwerste [s. Dreischlitz], und die Alten könnten sie nur zu dreierlei Säulenweiten, nämlich von 5, 10 und 15 Modeln, anbringen oder sie mussten darin die Fehler leiden, dass nicht allemal mitten über einer Säule ein Dreischlitz zu liegen kam, wie in dem angezogenen Artikel gezeigt worden. Goldman hat dieser Schwierigkeit dadurch abgeholfen, dass er die Verhältnisse der Dreischlitze zu den Metopen für einige Säulenweiten abgeändert und dadurch verschiedene Gebälk für gar alle brauchbaren Säulenweiten angegeben hat. Die Verhältnisse der Hauptteile dieser Ordnung sind an einem anderen Ort angegeben worden [s. Ordnung].

Obgleich diese Ordnung die willkürlichen Zierraten verwirft, so ist sie doch in ihrem vollen Reichtum, wenn die Metopen mit schicklichen Verzierungen angefüllt, wenn die Unterbalken auf ihrer untern Fläche in Felder abgeteilt werden; wenn der Kinn des Kranzes eben dergleichen Einteilungen hat, vielleicht die, welche die größte Mannigfaltigkeit der Teile zeigt und bei ihrem ernsthaften Wesen die meiste Pracht hat. Sie schickt sich zu allen prächtigen Gebäuden und muss allemal, wo mehr Geschosse sind, an dem untersten angebracht werden. Die ernsthafte Pracht dieser Ordnung und ihre schöne Abwechslung gegen die darübergesetzte ionische, empfindet man lebhaft bei genauer Betrachtung der kleinern Portale in dem Hof des Berlinischen Schlosses, wo die Hauptwache ist: wie denn überhaupt alles, was an diesem Schlosse von dorischer Ordnung, sowohl in Austeilung und Verhältnis als in Verzierungen, zum Muster dieser Bauart kann genommen werden.

 

 


Vergleiche ferner:

- Dorische, ionische, korinthische Säulenordnung (Hegel, Vorl. ü. d. Ästhetik)

- Die römische Konstruktion der Bogenwölbung (Hegel, Vorl. ü. d. Ästhetik)

- Die besonderen Formen des Tempelhauses (Hegel, Vorl. ü. d. Ästhetik)

- Der klassische Tempel als Ganzes (Hegel, Vorl. ü. d. Ästhetik)


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Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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