Metonymie

Metonymie. (Redende Künste) Namensverwechslung. Ist ein Tropus, in welchem eine Sache nicht mit ihrem eigentlichen Namen, sondern mit dem Namen einer Sache, die ihr auf gewisse Weise angehört, genannt wird. Es gibt eine große Menge solcher Namensverwechslungen, davon wir die Vornehmsten nur anführen wollen.

1. Die Verwechslung der Ursache und Wirkung.

Z.B. die Feder für die Schrift selbst. Der lateinische Ausdruck stylum vertere, für ausbessern oder auslöschen, was man geschrieben hat. Hier wird die Ursache genannt und die Wirkung verstanden. Wenn Ovidius

    Nec habet Pelion umbras.

so will er sagen, er der Berg sei kahl von Bäumen. Also nennt er die Wirkung und versteht die Ursache.

 2. Die Verwechslung des Behältnisses einer Sache mit der Sache selbst. Er liebt die Flasche, d.i. den in der Flasche enthaltenen Wein. Der Himmel freuet sich, d.i. die Seeligen des Himmels.

 3. Mit dieser ist die Verwechslung des Ortes mit der Sache fast einerlei. Wenn man sagt, dies ist die Anatomie, d.i. das Gebäude auf welchem die Anatomie gelehrt wird.

 4. Die Verwechslung der Sache mit dem willkürlichen Zeichen derselben. Z. E. der Preußische Adler, der Preußische Zepter, anstatt das Preußische Reich.

 5. Einen Teil des Leibes, um eine Eigenschaft des Gemüts anzuzeigen. Ein gutes Herz, ein seichtes Gehirn.

 6. Der Name des Besizers einer Sache für die Sache selbst. Jam proximus ardet Ucalegon. Ein Friedrichsd'or. Ein Philipp.

 Es gibt aber außer diesem noch viel andere Wortverwechslungen, die wir einen müßigen Grammatiker herzuzählen und wenn er will auch mit ihren besonderen griechischen Namen zu belegen, überlassen.

 Man sieht leicht, dass dergleichen Verwechslungen bald aus Mangel der eigentlichen Wörter, bald aber aus Eil oder aus Lebhaftigkeit der Einbildungskraft oder aus anderen zufälligen Ursachen, entstehen. In der Dicht- und Redekunst, tun dieselben bisweilen kleine Dienste, bald zur Abkürzung, bald zur Vermeidung des Gemeinen, bald zu einer kleinen Erweckung der Aufmerksamkeit. Wie aber diese Wirkung erhalten werde und wo die Metonymie auch aus Wahl müsste gebraucht werden, kann ein mittelmäßiger Geschmack weit besser empfinden als es zu beschreiben wäre.

Wichtiger wäre es für den Gebrauch des Philosophen, wenn aus allen Sprachen alle Arten der Metony mie gesammlet würden, weil daraus die mannigfaltigen Wendungen des menschlichen Genies in Verbindung der Begriffe am besten erkennt werden können. Auch würde dadurch immer begreiflicher, wie aus der kleinen Anzahl wahrer Stammwörter ein so sehr großer Reichtum des Ausdrucks in den ausgebildeten Sprachen entstanden ist.

 


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