Jacopo d'Avanzo Veronese

Avanzo Veronese, Jacopo d', ein Meister, dessen Werke von ganz besonderem Wert für die Entwicklungsgeschichte der italienischen Malerei in Italien sind, war neben Orcagna der größte Nachfolger Giotto's. Er schmückte mit seinem älteren Kunstgenossen, Aldighiero da Zevio, 1376 die Kapelle S. Felice in S. Antonio zu Padua mit Fresken aus der Legende des Jacobus major, und begann im Jahr 1377 die Malereien der S. Georgskapelle ebendaselbst. Unter den Bildern der ersteren Kapelle sind die Darstellungen: der in das Schloss der Gräfin Lupa geführte Leichnam des Apostels und der Übertritt der Gräfin samt ihrem ganzen Gesinde zum Christentum, die Erscheinung des heil. Jacob bei dem Könige Ranimirus im Schlaf und der Sieg des Letzteren unter dem Beistand des Apostels über die Saracenen bei Clavigium; ferner hinter dem Altar: das Bild der Kreuzigung in drei durch Säulen geschiedenen Abteilungen, rechts davon das Votivgemälde der Familie des Stifters und ein (ganz übermalter) heil. Christoph von Avanzo's kunstgeübter Hand. Aber erst in den Fresken der Georgskapelle tritt uns die Darstellungsweise des Meisters in ihrer ganzen Bedeutung entgegen. Dies sind 21 große Bilder, welche folgende Szenen aus der christlichen Geschichte und den Legenden des heil. Georgs, der heil. Lucia und der heil. Katharina darstellen. An der Rückwand: die Verkündigung; die Anbetung der Hirten; die der Könige ; die Darstellung im Tempel; die Flucht nach Ägypten; an der Altarwand: die Krönung Mariä; die Kreuzigung. An den Seitenwänden, links aus der Geschichte des heil. Georgs: der Kampf mit dem Drachen; die Taufe des Königs Zevius von Silena und das Votivbild der Familie des Stifters; Georg trinkt auf Diocletians Befehl den Giftbecher, ohne Schaden; er wird gerädert, aber nicht getötet; er soll die Götter anbeten, aber auf sein Gebet stürzen die heidnischen Tempel ein; er wird hingerichtet. Gegenüber oben, aus der Geschichte der heil. Katharina: ihre Weigerung, die Götter anzubeten; ihr Streit mit den Philosophen; ihr Martyrium auf dem Rad und ihre Enthauptung. Darunter aus der Geschichte der heil. Lucia: ihre Verantwortung vor dem Präfekten von Syrakus; der vergebliche Versuch, sie zur Richtstätte zu schaffen; die verschiedenen Anstrengungen sie zu töten; die Ausstellung ihres Leichnams. Auch die Decke war früher mit den Bildnissen der Propheten geschmückt gewesen. Ob auch Aldighiero an diesen Gemälden Anteil gehabt habe, ist nicht mit Bestimmtheit zu ermessen; unzweifelhaft aber bleiben sie in der Hauptsache ein Werk Avanzo's, selbst wenn ihm andere Künstler und Gehülfen bei der Durchführung der großen Arbeit behilflich waren.

In diesem höchst interessanten Bilderzyklus steht zwar Avanzo seinen Vorgängern Giotto und Orcagna an Poesie der Auffassung, an Hoheit und Macht der Gedanken nach, allein er erreicht sie in der Mannigfaltigkeit und einheitlichen Ab Tundung der Komposition, im lebensvollen Eingehen auf das Vorbild der Natur, und übertrifft sie und alle seine Zeitgenossen an malerischer Durchführung, an Tiefe, Reinheit und Vielseitigkeit des psychologischen Ausdrucks, an spezieller bis in's Einzelne durchgeführten Idealisierung, ohne von der idealen Bildung in's Porträtartige zu verfallen. Die Köpfe seiner heiligen Personen sind ungemein schön, und wenn seine Gestalten, bei aller größeren Lebendigkeit in der Bewegung, als die seiner Vorgänger, noch nicht vollständig durchgebildet erscheinen, sich auch in seiner Gewandung noch keine weitere Entwicklung bemerkbar macht, so zeigt er dagegen in der Modellierung, in der Abstufung der Töne, in der Beobachtung der Gesetze der farbigen Erscheinung und der Perspektive, ja sogar hin und wieder in dem Streben nach optischer Illusion, Fortschritte, die den Übergang von der Kunstweise des 14. zu der des 15. Jahrhunderts, durch welche die Malerei erst ihrer eigentümlichen Bestimmung entgegen geführt wurde, vermitteln.

Andere Werke Avanzo's, über dessen Herkunft und Lebensschicksale nichts Näheres bekannt ist, sind untergegangen; so z.B. zwei Triumphzüge im Palast della Scala zu Verona und einige „Hochzeiten" für den Grafen Serenghi gemalt, welche viele gleichzeitige Bildnisse und mannigfaltige Trachten enthalten haben sollen.

 

Literatur. Förster, Die Wandgemälde der St. Georgenkapelle zu Padua mit 14 Abbildungen. Berlin 1841.


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