Walhalla mit Exportabteilung


... Aus den begeisterten jungen Soldaten, die singend auszogen, sind Männer von grimmigem Ernst geworden; zu den strengen großen Linien der ausdrucksvollen Köpfe, die eines Hodlers Kunst reizen müßte, paßt das einfache graue Kriegsgewand viel schöner als das frühere bunte Waffenkleid. Zu dem Bilde des deutschen Kämpfers im Weltkrieg gehört auch der neue Stahlhelm, dem man jetzt auch in den Straßen der Reichshauptstadt nicht selten begegnet ... es ist, als hätte man einen Reisigen aus der Zeit der Frundsberge vor sich ...

Ich glaube nicht, dass die Ziele dieses Krieges solchen Eingriff in den Schatz farbiger Vorstellungen und in die Erlebnissphäre des Malers Hodler oder auch nur in das Kostümatelier des Malers Hollitzer rechtfertigen, der ja als Landsknecht in Kabaretts und Preßquartieren seinen Mann gestellt hat. Wohl aber glaube ich, dass die Wesensart, die sich an den Realien in solcher Verpackung berauschen kann, eine der Grundursachen dieses Krieges ist. Frundsberg, so nannte sich tatsächlich der Autor des Artikels »Auf der Russenfährte«. Ich würde manche unter jenen, die das Auge des Schilderers bestochen haben, unschwer als Weinreisige erkennen.

 

 

Oktober, 1916.


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