Die Geburt der Tragödie


(Der Schützengraben während der Firmwoche.) Für das leichtempfängliche Kindergemüt kann wohl kaum etwas Fesselnderes gedacht werden, als der Schützengraben mit seiner Romantik, und so ist es begreiflich, dass wohl jeder Firmpate und jede Firmpatin in das für ihren Firmling zusammengestellte Unterhaltungsprogramm einen Besuch des Schützengrabens im Prater eingesetzt haben. Die naturgetreue Anlage des Schützengrabens mit seinen Unterständen, die vor ihnen errichteten Drahtverhaue, über die hinweg man die —

— Zeit verhauen möchte! Nichts als dies brauchte von ihr zu bleiben, um sie den Nachlebenden zum Greuel und Scheuel zu machen. Ehedem hat der »Göd« dem Firmling eine Uhr und dazu eine Watschen zum Geschenk gemacht. Jetzt, da die Uhr die große Zeit anzeigt, täte man besser, die Watschen dem »Göd« zu überreichen, der die Absicht hat, das leichtempfängliche Kindergemüt zum Schützengraben zu führen. Die naturgetreue Anlage des Schützengrabens und die naturgetreue Anlage des Kindergemüts: eine Mörderwelt sieht nicht, dass sie dieses in jenem begräbt, und setzt beides in ihr Unterhaltungsprogramm!

 

 

August 1916.


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