Gesichtskreis

Gesichtskreis. (Zeichnende Künste) Bedeutet den ganzen Raum, den ein Mensch mit unverwandtem Auge auf einmal übersehen kann oder wirklich übersieht. Es kommt in den zeichnenden Künsten bei verschiedenen Gelegenheiten viel darauf an, wie weit der Gesichtskreis ausgedehnt oder eingeschränkt werde. Wenn man setzt, das Auge liege in dem Mittelpunkt einer holen Kugel, so ist ungefähr die Hälfte der, vor dem Auge liegenden, Hälfte der Kugelfläche ihr Gesichtskreis. Dieses wird aus folgender Vorstellung deutlich werden. Bei a ist der Mittelpunkt des halben Zirkels d g h f e, den man sich entweder in einer waagerechten oder in einer senkrechten Fläche liegend vorstellen kann. In diesem Punkte liegt der Stern des Auges, wodurch das Licht ins Auge fällt. Nun können zwar aus jedem Punkte des halben Zirkels, wenn man nur die Punkte e und d ausnimmt, Lichtstrahlen in das Auge fallen; aber die Strahlen, die ein deutliches Sehen verursachen sollen, müssen so einfallen, dass sie auch zugleich durch die so genannte crystallene Linse des Auges b c durchfallen, die in einiger Entfernung hinter dem Augenstern liegt. Daher kann kein Punkt der Bogen d g oder e f sichtbar werden und nur die Punkte des Zirkels, die in dem Bogen f h g liegen, sind sichtbar. Wenn man nun setzt, dass sich der Zirkel an der Linie a h als an einer Axe herumdrähte, so beschreibt der Bogen f h g eine Kugelfläche, die der eigentliche Gesichtskreis des Auges ist. Alles was in der Höle der Kugel außer dieser Fläche liegt, ist unsichtbar.

 Ganz genau lässt sich die Größe des Bogens f h g nicht bestimmen, weil der Abstand der cristallenen Linse vom Augenstern, nicht immer gleich ist. Man kann indessen zum Behuf der zeichnenden Künste für gewiss annehmen, dass der Bogen f h g nicht viel über den vierten Teil des ganzen Umkreises des Zirkels sei.

 Bisweilen versteht man durch den Ausdruck Gesichtskreis, aber durch eine unrichtige Anwendung des Wortes, die Höhe des Auges über dem Horizont oder über die waagerechte Fläche der Erde, weil man

von einem Gemälde sagt, es habe einen hohen oder niedrigen Horizont, wenn der Augenpunkt in einer großen oder geringen Höhe über dieser Fläche genommen wird. Davon wird in dem folgenden Artikel gesprochen.

 


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