Generalbass

Generalbass. (Musik) Ein Bass mit welchem zugleich die volle Harmonie eines Tonstücks angeschlagen wird. Er hat eine doppelte Wirkung: zuerst lässt er den begleitenden Bass hören,1 und dann unterhält er das Gehör durchaus in dem Gefühl der Tonart, so dass die Modulation durch den Generalbass bestimmt und vernehmlich wird. Er wird hauptsächlich auf Orgeln und Klavieren gespielt, wo die linke Hand die Basstöne anschlägt, die rechte aber die dazu gehörige Harmonie, die mit Ziffern oder anderen über die Bassnoten gesetzten Zeichen angedeutet wird2.

 Wenn der Bass nicht beziffert ist, so muss der Spieler die oberen Stimmen auch vor sich haben, damit er auf jeden Basston die rechte Harmonie treffe. Zwar können geübte Harmoniker bisweilen, wenn sie den bloßen und nicht bezifferten Bass vor sich haben, den Generalbass richtig spielen: allezeit aber geht es nicht an, zumal wenn der Tonsetzer künstliche und ungewöhnliche Modulationen angebracht hat.

 Ohne eine völlige Kenntnis der Harmonie ist es nicht möglich, den Generalbass richtig zu spielen. Denn man muss nicht nur alle Regeln der guten Fortschreitung, sondern auch jeden Kunstgriff der Modulation wissen, sonst läuft man Gefahr entweder falsche Fortschreitungen zu machen oder gar aus dem Ton heraus zu kommen. Wer also den Generalbass lernen will, muss notwendig die ganze Wissenschaft der Harmonie und der Modulation genau studieren. Und wenn er dieses vollkommen weiß, so hat er noch vieles zur guten Begleitung in Acht zu nehmen. Er muss nicht nur in der Fortschreitung die Quinten und Oktaven zu vermeiden und jede Harmonie rein anzugeben, sondern auch die Hauptstimme durch seine Begleitung gehörig zu heben wissen. Denn der Generalbass-Spieler kann ungemein viel verderben oder gut machen. Daher macht die Wissenschaft des Generalbasses einen besonderen und weitläufigen Teil der Musik aus, der von vielen in besonderen Werken vorgetragen worden. Das wichtigste und gründlichste Werk darüber ist wohl der zweite Teil von Bachs Versuch über die wahre Art das Klavier zu spielen, der fast allein dem Generalbass gewidmet ist.

 Man schreibt die Erfindung des Generalbasses allgemein einem Wälschen, Namens Ludovico Viadana zu, welcher im Jahr 1606 zuerst von diesem Basse soll geschrieben haben. Es ist aber wahrscheinlich mit dieser Erfindung, wie mit vielen anderen gegangen, die stufenweise, entstanden und erst nachdem sie merklich angewachsen als besondere Erfindungen betrachtet worden. Da die Orgeln sehr alt sind, so ist wahrscheinlich, dass lange vor Viadana, die Orgelspieler nicht bloß den Bass und etwa eine Hauptstimme werden gespielt, sondern bisweilen zu richtiger Bemerkung des Tones oder zu mehrerer Ausfüllung, auch noch andere Intervalle dazu genommen haben. Vielleicht hat Viadana zuerst einige Regeln für ein solches Spielen gegeben und sich dadurch den Ruhm erworben, dass er die Sache selbst erfunden habe. Von der Bezifferung des Generalbasses ist an einem anderen Orte gesprochen worden3.

 

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1 S. Bass.

2 S. Bezifferung.

3 S. Bezifferung.

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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