Gefährte

Gefährte. (Musik) Ist in der Fuge ein kurzer melodischer Satz, der den Hauptsatz, so oft dieser gesungen oder wiederholt worden, in einer anderen Stimm- und (nach alter Art zu sprechen) in einer anderen Tonart wiederholt oder nachahmt.1 Also tritt der Gefährte allemal am Ende des Führers ein und hat seinen Gesang in der plagalischen Tonart, wenn der Stimmführer die authentische hat und umgekehrt.

 Es ist im Artikel Fuge angemerkt worden, dass der Gefährte dem Führer so ähnlich sein müsse als es sich ohne den Ton zu verletzen tun lässt. Eine völlige Ähnlichkeit ist so wohl wegen der verschiedenen Lage des Mi Fa als wegen des verschiedenen Umfanges im Führer und Gefährten, nicht allemal zu erhalten. Denn wenn der Führer seinen Umfang von der Tonika bis zur Dominante z. B. von C bis G hat, so bleibt dem Gefährten nur der Raum von der Dominante zur Oktave der Tonika, z. B. von G bis c übrig und also ein Ton weniger; denn wenn er auch den Umfang einer Quinte nehmen und in D dur schließen wollte, so würde dadurch der Ton C ganz vernichtet.

 Man hat große Vorsichtigkeit nötig, dass man mit dem Gefährten nicht aus dem Ton herauskomme. Diese Vorsichtigkeit ist vornehmlich im Anfange der Fuge notwendig, bis der Ton dem Gehör vollkommen eingeprägt ist. Denn wenn dieses einmal gesche hen ist, so kann man in dem Führer schon etwas mehr Freiheit mit Einmischung fremder Töne nehmen. Wenn z. B. in einer Fuge der Führer in A mol angefangen und den Gesang bis in die Dominante E fortgeführt hätte, so muss anfänglich der Gefährte mit E anfangen und dem Führer so ähnlich als möglich nachsingen, aber doch nur bis a steigen. Ist aber einmal die Tonart recht fest gesetzt, so kann denn der Gefährte auch wohl bis h steigen und dadurch seinen Gesang dem Gesang des Führers ganz ähnlich machen, wie hier, wo die untere Stimme der Führer, die obere der Gefährte ist. Aber, wie gesagt, dieses geht erst dann an, wenn der Gesang schon eine Zeitlang gedauert hat und der Ton völlig eingeprägt ist.

Es ist eine allgemeine Regel, dass der Gefährte seinen Gesang eine Quinte oder Quarte höher oder tiefer anfangen und enden müsse als der Führer. Da nun der Führer in jedem Intervall von seiner Tonika anfangen kann, so hat auch der Gefährte so viel verschiedene Anfangsnoten. Man hat eine Fuge von dem alten Bach, aus dem F dur, da der Führer in der großen Septime und der Gefährte eine Quinte höher und also im Tritonus des Haupttons anfängt. Einen sehr umständlichen Unterricht von der Beschaffenheit des Gefährten, findet man in Marpurgs Abhandlung von der Fuge.

 

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1 S. Fuge.

 


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