Michelangelo



- Peterskirche Vatikan: Kuppel


Nach dem im Jahr 1546 erfolgten Tode des Ant. da Sangallo, ernannte der Papst Michelangelo zum Baumeister der Peterskirche. Er weigerte sich zwar Anfangs, wegen seines damals schon sehr hohen Alters, den Bau zu übernehmen, gab aber dem Drängen des Papstes endlich nach, jedoch mit der ausdrücklichen Bemerkung, dass er dafür keinerlei Lohn annehme, da er die Leitung desselben lediglich um der Ehre Gottes und des heil. Petrus willen bis an sein seliges Ende zu führen gedenke. Er fertigte auch binnen kurzer Zeit ein Modell, das dem Papste so äußerst wohl gefiel, dass er ihm ein Motu proprio ausstellte, worin ihm die unumschränkteste Vollmacht in seiner neuen Stellung zugesichert wird. In diesem Modell gab er dem Bau die Form des griechischen Kreuzes wieder. Das äußere Gewölbe der großen Kuppel wollte er, der größeren Festigkeit willen, nicht wie Bramante auf Säulen, sondern auf einer Mauer aufführen. Vier kleinere Kuppeln sollten die große umgeben und die Kirche eine Vorhalle mit vorspringendem Giebel erhalten. Mit ihm begann nun eigentlich erst die Geschichte des jetzigen Gebäudes der Peterskirche, denn was in seiner Anlage von den Entwürfen der vorigen Architekten herrührte, hat bei der Ausführung eine gänzlich veränderte Gestalt erhalten und das Motu proprio des Papstes bestimmte ausdrücklich, dass sein Plan als unveränderlich betrachtet werden sollte und dass für alle künftige Zeiten keine Abweichung von demselben mehr stattfinden dürfe. Unter seiner Aufsicht wurden die beiden Tribünen des Querschiffs aufgeführt; statt der acht Altäre, die Bramante in jede derselben setzen wollte, errichtete er nur drei in ebensovielen Nischen. Die Pfeiler der Kuppel ließ er verstärken und führte den Bau, Dank seiner rastlosen Tätigkeit und der seltenen Energie seines Geistes, trotz aller Kabalen der Anhänger des Sangallo, gegen deren Gewinnsucht, wodurch sie den Bau absichtlich in die Länge zu ziehen suchten, er sich stark geäußert hatte und trotz der kärglichen Geldmittel, die zuletzt immer spärlicher flössen, bis zum Schluss der Trommel, wo die Wölbung der Kuppel beginnt, empor. Ja die Kuppel ist, obgleich er die Vollendung derselben nicht mehr erlebte, ganz als sein Werk zu betrachten, indem seine Freunde ihn glücklicher Weise noch vor seinem Tode veranlassten, ein genaues und detailliertes Modell davon zu machen, von dem auch die Ausführung in keiner Beziehung abwich. — Michelangelo erscheint in diesem Werke zwar nicht frei von mancherlei Willkürlichkeiten, die Anlage des Ganzen aber ist so eigentümlich grandios, dass dieses Gebäude, wenn nicht spätere Anfügungen den Totaleindruck beeinträchtigt hätten, zu den erhabensten Werken der neuern Baukunst gehören würde.  

Die Peterskirche ist indessen nicht das einzige architektonische Werk Michelangelos in Rom, nach seinen Plänen wurden im Gegenteil so viele Gebäude errichtet, dass auch im Fache der Architektur sein Geschmack lange Zeit maßgebend blieb. Die capitolinischen Bauten erhielten unter schwankender Benützung seiner Entwürfe ihre jetzige Gestalt und unter seiner Leitung wurde die Reiterstatue des Marc Aurel in der Mitte des Platzes des Campidoglio aufgestellt. Wahrscheinlich ist von ihm auch der Entwurf zum Senatorenpalast, gewiss ist es der zu dessen herrlicher Doppeltreppe. Von ihm sind ferner am Palast Farnese zu Rom das bewundernswürdige große Hauptgesims und die beiden untern Stockwerke des Hofs, auch stellte er für den zweiten Hof desselben Palastes die um jene Zeit in den Bädern des Caracalla gefundene antike Gruppe des sogenannten farnesischen Stiers (gegenwärtig in den Studj zu Neapel) wieder her. Die sehr schöne Treppe im Belvedere wurde ebenfalls nach seiner Zeichnung ausgeführt.

Unterdessen war Papst Paul III. im Jahr 1549 gestorben und sein Nachfolger, Julius III., hatte Michelangelo sogleich das Motu proprio, bezüglich der Peterskirche, bestätigt. Als aber auch dieser 1555 mit Tod abging, suchten Michelangelos Widersacher ihn bei dem neuen Papste Marcellus wegen jenes Baus zu verdächtigen. Dies erfuhr Herzog Cosimo zu Florenz durch Vasari, der an seinem Hofe arbeitete. Er erneute daher seine schon zu Lebenszeiten Paul des III. an den Meister ergangene dringende Einladung: nach Florenz zurückzukehren, seine letzten Tage hier zuzubringen und ihm bei seinen Bauten und anderen künstlerischen Unternehmungen seinen Rat zu erteilen. Da indessen Marcellus schon im selben Jahre wieder gestorben und Paul IV., dessen Nachfolger, Michelangelo gleich bei seinem Regierungsantritt um seine fernere Oberleitung des Baus der S. Peterskirche ersucht hatte, so schlug der Künstler das äußerst verbindliche Anerbieten höflich dankend aus. Um dieselbe Zeit war er mit den Festungswerken von Rom beschäftigt und führte daneben die Aufsicht über die Skulpturen für das große Thor des Kastells S. Angelo. Eine Pietà, die er ebenfalls in seinen alten Tagen noch in Marmor auszuführen unternommen, die er aber, weil sie nicht nach seinem Wunsche ausgefallen, wieder zusammenschlug; schenkte er seinem Diener, der sie an Fr. Bandini verkaufte, welch letzterer sie durch Tiberio Calcagni wiederherstellen lassen wollte. (Die Restauration unterblieb jedoch, da Michelangelo, Calcagni und Bandini darüber starben. Ihr ferneres Schicksal ist nicht bekannt.) Nun fertigte er 1557 auf das Drängen seiner Freunde ein kleines Tonmodell zur Kuppel der Peterskirche, nach welchem Meister Giovanni Francese ein größeres aus Holz mit derjenigen Genauigkeit, dass man darnach im Grossen arbeiten konnte, ausführte. Dasselbe fand bewundernde Anerkennung und Pius IV., der 1560 den päpstlichen Stuhl bestieg, bestätigte Michelangelo nicht nur abermals das Motu proprio, sondern setzte ihn auch in den Stand, rüstig am Bau der Peterskirche weiter arbeiten zu können, beschäftigte ihn überdies vielfach noch anderweitig. Auf seinen Wunsch machte er die Zeichnungen zu dem Grabmale seines Bruders, des Marchese Marignano, welches von Lione Lioni ausgeführt wurde, zu der im Jahr 1561 begonnenen Porta Pia und zu ändern Toren Roms; ferner zu der in die Diocletiansthermen erbauten Kirche S. Maria degli Angeli, deren Klosterhof, aus dorischen Säulen und Bögen bestehend, einen einfach ernsten Eindruck gewährt, und zu einem Sakramentshäuschen in Bronze für dieselbe Kirche, das größtenteils von Jacopo Siciliano gegossen wurde. Für die Florentiner-Gemeinde entwarf er die Pläne zur Kirche S. Giovanni de' Fiorentini zu Rom, nach denen Tiberio Calcagni ein Modell in Ton ausführte. Dem letzteren Künstler übergab er auch die grandios behandelte Büste eines Brutus (gegenwärtig in den Uffizien zu Florenz) zur Vollendung und verschaffte ihm die Ausführung einer Kapelle in S. Maria Maggiore, nach seinen Entwürfen. Dies waren indessen seine letzten Arbeiten. Er beschäftigte sich zwar immer noch mit der Leitung des Baus der S. Peterskirche, aber er fühlte sein Ende nahen, machte deshalb sein Testament, das aus drei Punkten bestand: er übergebe Gott seine Seele, der Erde den Leib, seine Besitztümer den nächsten Anverwandten, und starb am 18. Febr. 1563. Am dritten Tage nach seinem Tode war die Totenfeier in der Kirche der heil. Apostel, wo ihm der Papst ein Denk- und Grabmal erbauen lassen wollte. Ganz Rom war zusammengeströmt und bezeugte seinen Kummer über den unersetzlichen Verlust. Nach vierzehn Tagen aber brachte Michelangelos Neffe, Leonardo Buonarotti, die Leiche seines Oheims heimlich nach Florenz, wo sie, nach einer ihm von der Akademie der Künstler zu Florenz in San Lorenzo daselbst veranstalteten, ebenso sinnreichen, als prachtrollen Totenfeier, in seiner Familiengruft in S. Croce neben den Gebeinen seines Vaters beigesetzt wurde. Später ließ ihm sein Neffe ebendaselbst ein großartiges Denkmal mit der Büste des Meisters von Battista Lorenzi und den drei Statuen: der Malerei, von demselben, der Skulptur, von Valerio Cioli und der Architektur, von Giovanni dell' Opera, errichten. — 

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