427. Eigennutz 1). Gewinnsucht 2). Habsucht 3).

1) Self-interest.     2) Love of gain or lucre.     3) Covetousness, avarice.
(Compensation, restitution, satisfaction.)
1) Intérêt personnel.    2) Cupidité (intérêt).    3) Cupidité (avarice,
avidité).
1) Interesse proprio (vantaggio proprio).     2) Avidità di guadagno).
3) Cupidigia d′avere (avidità).

Gewinnsucht und Habsucht beziehen sich nur auf Geld und Geldeswert. Eigennutz aber auf Vorteile und Genüsse jeder Art, sie mögen irdischer oder geistiger Natur sein. Man sagt: die Liebkosungen eines zärtlichen Liebhabers sind eigennützig, wenn er Gegenliebe damit gewinnen will. "Sie ist tugendhaft. — Sie ist's aus Eigennutz der Liebe." Schiller, Don Carlos II, 15. Ebenso wird jemand, der Gutes tut, um gerühmt, der mildtätig ist, um beim Volke beliebt zu werden, eigennützig genannt. Gewinnsüchtig und habsüchtig dagegen drücken beide die krankhafte, leidenschaftliche Begierde nach Geld und Gut aus. Von der Gewinnsucht aber ist die Habsucht durch die Mittel verschieden, die beide zu ihrem Zwecke gebrauchen. Die Zusammensetzung des Wortes zeigt an, daß der Gewinnsüchtige sich namentlich auf das Spiel des Glücks verläßt und viel wagt, um viel zu gewinnen. Ein gewinnsüchtiger Spieler kann von der leidenschaftlichen Begierde nach Geld so weit getrieben werden, daß er auf die Gefahr hin, seine Ehre zu verlieren, zum Falschspielen greift; ein gewinnsüchtiger Kaufmann kann in seinen Spekulationen große Summen aufs Spiel setzen usw. Habsucht dagegen setzt nichts aufs Spiel; sie sucht sich geradezu, ohne Erwerbsmittel, auf Kosten anderer, zu bereichern und scheut vor den niedrigsten und gemeinsten Mitteln nicht zurück. Der Habsüchtige sucht sich durch Schmeichelei und niedrige Dienste bei den Reichen beliebt zu machen, um von ihnen in ihrem letzten Willen bedacht zu werden; er sucht die Erbschaft seinen Miterben zu entreißen oder bei der Teilung von jedem Artikel sich immer einen größeren und besseren Teil anzueignen, als ihm zukommt, indem er noch immer unzufrieden ist, daß er andern auch etwas lassen muß und nicht alles davontragen kann. Die Habsucht ist die verächtlichste der menschlichen Leidenschaften.


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