1600. Zwitschern 1). Girren 2). Zirpen 3). Piepen 4).

1) To twitter, warble.    2) To coo.    3) To chirp.    4) To pule, pip, pep, pipe.
1) Gazouiller; pépier (von jungen Vögeln).   2) Roucouler.   3) Striduler (von
Insekten); strider (von Heuschrecken).   4) Plauler, piper, pépier.
1) Garrire, cinguettare.    2) Tubare, gemire.    3) Pigolare (stridere).    4) Pipilare,
pigolare.

Zwitschern (althochd. zwizzirôn, mittelhochd. zwitzern) ist ein lautmalendes Wort, das die halblauten kurzen Töne der Vögel wiedergibt. Wir können dieses Zwitschern namentlich bei Sperlingen hören, wenn diese unaufhaltsam in halblauten kurzen Tönen sich zu unterhalten scheinen. Auch Schwalben und andere Vögel zwitschern. "Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen." Sprichwort. "Girren (mhd. gurren, garren, gërren) ist gleichfalls eine schallnachahmende Bildung; man nennt so die leise und rollende Wiedergabe des Lautes grrv, den wir z. B. bei den Liebes- oder Klagetönen der Vögel beobachten. Aber auch sonst kommt dieser Laut vor, z. B "Girren und Brechen der Äste!" Goethe, Faust I, Walpurgisnacht. "Es locket ein Spätzchen | sein flattriges Schätzchen | mit Girren und Kirren | und Schwirren zu sich." Rückert, Liebesfrühling, Vierter Strauß Nr. 37. Auch Kanarienvögel girren. Besonders spricht man von girrenden Tauben. Im übertragenen Sinne nennt man einen schmachtenden Liebhaber einen girrenden. "Freilich krümmt Franz sich nicht wie ein girrender Seladon vor dir, — freilich hat er nicht gelernt, gleich dem schmachtenden Schäfer Arkadiens, dem Echo der Grotten und Felsen seine Liebesklagen entgegenzujammern." Schiller, Räuber III, 1. In diesem Sinne können die übrigen Ausdrücke niemals stehen. Zirpen ist das leise schwirrende Geräusch, das die Grillen, Heimchen, kleinen Heuschrecken u. a. von sich geben. Auch von jungen Vögeln wird der Ausdruck gebraucht. "Wo tausend ländliche Grillen Liebe zirpten und Ruh" singt Hölty. Auch zirpen ist eine schallnachahmende Bildung, die aber im Mittelhochdeutschen noch nicht vorkommt, sondern erst dem Neuhochdeutschen angehört. Piepen ist wie das lat. pipare gleichfalls eine schallnachahmende Bildung. Der Ton Piep, den namentlich junge Vögel und Mäuse hervorbringen, ist darin nachgebildet. Das Piepen ist der leise, pfeifende, kurz abbrechende Ton, den man aus den Nestern der jungen Vögel hört, auch die alten Vögel piepen, wenn sie den jungen Futter bringen. Volkstümlich kommt neben piepen auch piepsen vor (aus älterem pipitzen entstanden). "Für solche Poesien hatte ich eine besondere Ehrfurcht, weil ich mich doch ungefähr gegen dieselben verhielt wie die Henne gegen die Küchlein, die sie ausgebrütet um sich her piepsen sieht." Goethe, Dichtung und Wahrheit 16. Buch, Hempel XXIII, 10. Im übertragenen Sinne versteht man unter piepen ein leises, kraftloses Sprechen, z. B. "Dies der Landsmann wünscht und liebet, | mag er Deutsch, mag Teutsch sich schreiben, | und das Lied nur heimlich piepet: | Also war es und wird bleiben." Goethe, West-östlicher Divan V, 8, Hempel IV, 86. Goethe meint, bei der Zerstreuung, die in Deutschland herrsche, bei der Zersplitterung aller Kräfte durch Zerstreuung, könne das Lied, das ein solcher sich zersplitternder Dichter hervorbringe, nicht voll tönen, sondern nur kraftlos piepen.


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