169. Aufhebens machen 1). Rühmen 2).

1) To make much ado or a fuss about. 2) To brag, vaunt.
1) Faire grand bruit de. 2) Louer (vanter, glorifier).
1) Far molto fracasso di alcuna cosa. 2) Vantare (esaltare, encomiare).

Aufhebens machen oder viel Aufhebens machen stammt aus der Fechtersprache: vor dem eigentlichen Fechtgang werden unter gewissen hergebrachten Formen von den Fechtenden die Schwerter gegeneinander aufgehoben; daher heißt ein Aufheben machen bald soviel wie: die Schwerter erheben, ohne zuzuschlagen, dann überhaupt prahlen. Aufhebens machen wird also nur in tadelndem Sinne gebraucht und bezeichnet ein übertriebenes oder ein unnötiges, weder in den Eigenschaften der Sache selbst, noch in anderen Umständen begründetes Hervorheben einer Sache, sei es eines Vorzugs oder eines Fehlers, z. B. er macht viel Aufhebens von seinem Reichtum, seiner Stellung, seiner Gelehrsamkeit usw. "Man hätte von diesen Fehlern kein solches Aufheben machen sollen." Lessing. Rühmen bezieht sich nur auf Vorzüge und kann sowohl ein gerechtfertigtes wie ein ungerechtfertigtes Hervorheben derselben bezeichnen. — Man kann sagen: Aufheben machen, wie: Aufhebens machen. Ursprünglich ist die Wendung mit dem Genitiv: Aufhebens machen allerdings wohl nur in den Verbindungen: kein, wenig, viel Aufhebens machen u. ähnl. üblich gewesen und dann aus diesen Verbindungen überhaupt zu der festen Formel Aufhebens machen übergegangen. Daß die Wörter wenig und viel im älteren Deutsch gewöhnlich den partitiven Genitiv nach sich hatten (und als ein solcher ist hier auch Aufhebens anzusehen), ist bekannt. Schwierigkeiten der Erklärung bietet nur der Genitiv des Infinitivs bei kein, der sich auch in anderen Wendungen findet, z. B. kein Rühmens, kein Redens, kein Federlesens machen usw. Statt dieser Wendungen mit dem Genitiv kann übrigens ebensogut stehen: kein Aufheben, Rühmen, Reden, Federlesen machen usw. Zur Erklärung sei folgendes angeführt: Kein enthält ursprünglich keine Verneinung und bedeutete soviel wie irgend ein, irgend welch (gekürzt aus mhd. dehein, dekein). Wie nun ein häufig mit dem Infinitiv verbunden wurde (z. B. das war ein Jubeln und Lachen; das war ein Freuen, wenn er wieder kam. Schiller), so auch kein, und dieser Infinitiv trat auch dann noch zu kein, als es bereits eine Negation ausdrückte, z. B. kein Aufhören, kein Entrinnen usw. Der Genitiv des Infinitivs erklärt sich nun daraus, daß ein nicht zu kein gesetzt wurde; bei nicht stand aber im Altdeutschen ganz allgemein der partitive Genitiv. Man sagte also z. B.: da war keines Bleibens nicht, später mit unverändertem kein: da war kein Bleibens nicht. Dieser Genitiv des Infinitivs blieb auch dann noch, als das nicht bei kein verschwand und in das Wort selbst stillschweigend mit aufgenommen wurde, kein Aufhebens, Rühmens, Redens machen usw. Vgl. meine Zeitschrift für den deutschen Unterricht II, 57.


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