412. Edel 1). Edelmütig 2). Großmütig 3).

1) Noble. 2) Nobleminded. 3) Generous, magnanimous.
1) Noble. 2) Genereux (noble). 3) Magnanime.
1) Nobile. 2) Generoso (nobile). 3) Generoso (magnanimo).

Edel bezeichnet allgemein die sittliche Größe in den Gesinnungen und Handlungen. Edelmütig und großmütig bezieht sich besonders auf das Verhalten gegen Mitmenschen, und zwar auf das aufopfernde, selbstverleugnende Wohlwollen gegen diese. Edel ist dem Niedrigen und Gemeinen entgegengesetzt. — Seitdem man körperliche wie geistige Vorzüge nicht mehr als das ausschließliche Eigentum eines Standes (des Adels) betrachtet, nennt man edel alles, was anerkannt vorzüglich ist und sich dadurch vor andern Dingen seiner Art auszeichnet. So gibt es einen edlen Anstand, ein edles Betragen, eine edle Gesichtsbildung. Man sagt, daß ein Gebäude in einem edlen Stile ausgeführt sei, wenn es ohne kleinlichen Zierat bloß durch seine großen Verhältnisse gefällt. Ebenso nennt man eine Gesinnung oder eine Tat, die sich durch ihre sittliche Hoheit und Reinheit von dem Denken und Handeln der Masse leuchtend abhebt, edel. Klopstock, der seine ganze Dichtung in den Dienst des Edlen stellt, nennt edel allein den, der mit wahrer Sittlichkeit auch hohe Geistesbildung verbindet; Goethe und Schiller gebrauchen das Wort in ganz demselben Sinne. "Edel sei der Mensch, | hilfreich und gut." Goethe, Das Göttliche. "Hab nichts von Schönem und Edelm verspürt." Detlev von Liliencron, Der souveräne Herr, Nebel und Sonne (Sämtliche Werke, 9. Band, S. 41). Wer das, was ihm selbst Vergnügen macht, dem Bedürfnisse oder Vergnügen eines andern aufopfert, der handelt edelmütig, wer es aber einem andern aufopfert, der ihn noch dazu beleidigt, der handelt großmütig. Als Sully, der Minister Heinrichs IV., in Gegenwart von des Königs Maitresse, der schönen Gabrielle d'Estrées, den Heiratskontrakt desselben mit dieser Geliebten vor seinen Augen zerriß, da war es edelmütig, daß er aus wahrer Liebe zu dem Könige sich dem Zorne desselben aussetzte, und es war großmütig von dem Könige, daß er diese Beleidigung der Ehrfurcht gegen sich mit einem noch größern Vertrauen gegen seinen Minister belohnte. Daß Jesus sein Leben für die Menschheit aufopferte, war edelmütig, daß er für seine grausamen Mörder betete: Vater vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun, war großmütig. Der Bauer in Bürgers Lied vom braven Manne handelte edelmütig, indem er sein Leben für die Rettung der bedrängten Zöllnerfamilie wagte und auch noch den für diese Rettung ausgesetzten Preis dem unglücklichen Zöllner überließ, obwohl er selbst arm und bedürftig war.


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