531. Erziehen 1). Auferziehen 2).
Aufziehen 3).

1) To educate. 2) Rear. 3) Bring up.
1) Faire l′éducation de. 2) Élever. 3) Nourrir (élever).
1) Educare. 2) Allevare. 3) Nutrire.

Alle drei Wörter bedeuten ursprünglich: etwas in die Höhe ziehen. Aufziehen unterscheidet sich von dem Erziehen und Auferziehen dadurch, daß es sich bloß auf die Erhaltung und Pflege des Körpers bezieht, während erziehen und auferziehen zugleich diejenige Bildung des Geistes mit in sieh schließen, die den Menschen in den Stand setzt, dereinst für sich selbst zu sorgen und in seinem Stande den Gesetzen der Sitte und Natur gemäß zu leben. Daher sagt man auch von Tieren, ja selbst von Pflanzen, daß man sie aufgezogen, aber nicht, daß man sie erzogen oder auferzogen habe. (Früher wurde erziehen zuweilen auch wie aufziehen gesetzt und findet sich so noch bei Goethe und Schiller, doch auch da schon mehr bloß als die poetisch geeignetere Form, ähnlich wie erwachen für aufwachen, erstehen für aufstehen, erwecken für aufwecken u. a. "Blumen, die ich selbst erzogen". Schiller, An Minna. "Ich zog es auf, und herzlich liebt es mich | . . . und so erzog ich's ganz allein — mit Milch und Wasser." Goethe, Paust I.) Bei auferziehen kommt noch der Begriff hinzu, daß die Erziehung von der ersten Kindheit angefangen und bis zur vollkommenen Reife fortgesetzt worden ist. Daher hat es immer eine Beziehung auf die Kindheit, während man das Wort Erziehung auch allein von dem späteren Jugendalter gebrauchen kann. So kann man sagen: In dieser Schule wird die Jugend gut erzogen. Wenn man hingegen sagt: Er ist in diesem Hause auferzogen worden, so will man zu erkennen geben, daß er von seiner Kindheit bis zu seinen reifern Jahren darin seine Erziehung erhalten hat. Oft geht auferziehen auch bloß auf die Erziehung in der ersten Kindheit, ohne die nachfolgenden Jugendjahre mit einzuschließen. "Ich kenn' Euch ja, ich bin's | die Eure Kindheit auferzogen." Schiller, M. Stuart I, 4. "Man könnt' erzogene Kinder gebären | wenn die Eltern erzogen wären." Goethe, Zahme Xenien IV.


 © textlog.de 2004 • 01.03.2021 20:39:24 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.08.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z