3. Jean Bodin


Einen dritten, sowohl der reinen Machtpolitik des Florentiners wie dem utopistischen Sozialismus des englischen Kanzlers entgegengesetzten, Typus der Staatsphilosophie vertritt der Franzose Jean Bodin (Bodinus, 1530-1596). Schon in seiner Jugend ein gefeierter Rechtsgelehrter, gab er im Jahre 1577 sein Werk De la république heraus. Bodin ist Gelehrter und Jurist, nicht praktischer Staatsmann; von den eigentlichen politisch-religiösen Parteikämpfen hielt er sich, ähnlich seinen Zeitgenossen und Geistesverwandten Montaigne und Charron, fern. Der politische Zweck geht ihm im ethischen, der Bürger im Menschen auf; er neigt zum Moralisieren. Auch er ist von den Alten lebhaft angeregt, neben Aristoteles von Cicero und den Stoikern. Die Gerechtigkeit, der Zweck des Gemeinwesens, fließt aus dem natürlichen Licht der menschlichen Seele, die ursprünglich gutartig ist; dem Macchiavelli tritt er daher aufs schärfste entgegen. Gegenüber diesem Absolutisten erscheint er wie ein heutiger Liberaler. Während Macchiavelli im Grunde Republikaner ist, aber zu seinen Zwecken die absolute Gewalt des »Fürsten« fordert, so ist Bodin von Haus aus Monarchist und stellt sogar einen stark absolutistisch gefärbten Souveränitätsbegriff auf, verlangt aber, dass der Herrscher nach den Gesetzen Gottes oder der Natur regiere.

Geschichtsphilosophisch hat er das Verdienst, als einer der ersten auf die geographischen Vorbedingungen des Volkscharakters und der Wirtschaftsweise der einzelnen Länder, sowie auf die bei aller Mannigfaltigkeit doch vorhandene Gesetzmäßigkeit der geschichtlichen Entwicklung hingewiesen zu haben (vgl. seine Schrift Methodus ad facilem historiarum cognitionem 1566).

Eigenartiger und bedeutsamer als seine politische ist seine religionsphilosophische Stellung. Die Schrift seines Alters, das Collegium heptaplomeres, ist ein auf dem toleranten Boden Venedigs spielendes Gespräch von sieben lebendig gezeichneten Vertretern der verschiedensten Bekenntnisse: je eines Calvinisten, Katholiken, Lutheraners, Juden, Mohammedaners und - zweier Vertreter der natürlichen Religion, unter deren einem (Toralba) Bodin selbst zu verstehen ist. Die Grundgedanken sind: Keine Religion ist allein seligmachend, in allen ist als ihr Wesen und Kern die natürliche Religion vorhanden, d. i. der Glaube an Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, der von der Natur in jedem Menschen wohnt. Der Staat soll alle dulden und schützen. Nur zum Ertragen der Atheisten vermag sich der sonst so duldsame, Friede und Eintracht predigende Bodin nicht aufzuschwingen, und gegen Zauberer und Hexen forderte er in einer besonderen Schrift strenges Einschreiten. Seinem politischen Ideal entsprach der tolerante König Heinrich IV.

Trotz der so gemäßigten Ansichten seines Verfassers galt das Collegium heptaplomeres den Zeitgenossen als etwas Unerhörtes; die Schrift wurde nur in Abschriften heimlich verbreitet und wird im 17., ja noch im 18. Jahrhundert öfters mit Abscheu erwähnt. Der Urtext wurde erst 1857 nach einem Manuskript der Gießener Bibliothek von L. Noack vollständig herausgegeben, nachdem 1841 ein Teil nebst einem Auszug in deutscher Sprache von Guhrauer veröffentlicht worden war.


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