672. Geist 1). Seele 2). Gemüt 3). Herz 4).

1) Spirit. 2) Soul. 3) Mind, disposition. 4) Heart.
1) Esprit. 2) Âme. 3) Caractère (sentiment, esprit). 4) Coeur.
1) Spirito. 2) Anima. 3) Animo (mente, indole). 4) Cuore.

Seele (von ahd. sêla, mhd. sêle, Ursprung dunkel; früher nahm man an, das Wort sei zu gehörig, d. i. eig. das, was sich hin-und herbewegt, die schwankende, wellenschlagende Wassermasse, See, Meer; vielleicht mit gr. seio, hin- und herbewegen, verwandt) bezeichnet die empfindende und bewegende Kraft in jedem lebenden Wesen, die Kraft, welche überhaupt dem Sein, dem Leben eines Dinges zugrunde liegt. So spricht man von einer Menschen-und Tierseele, oft auch von einer Pflanzenseele Auch in dem erweiterten Gebrauche des Wortes tritt diese Grundbedeutung hervor; so nennt man z. B. einen Menschen, der eine Gesellschaft belebt, die Seele der Gesellschaft, einen Menschen, der ein industrielles Unternehmen leitet, die Seele desselben usw. Geist (ahd. und mhd. der geist, got. der ahma von ahjahn, denken; dunkeln Ursprungs) war ursprünglich wohl so viel als Hauch (lat. spiritus, gr. pneuma); es ist also das Unsichtbare, Feinste, Subtilste, was in der sichtbaren, fühlbaren, groben Materie tätig ist. Und aus dieser ursprünglichen Bedeutung sind in der Folge, so wie die Bedeutung des Wortes Geist immer unsinnlicher geworden, die Nebenbegriffe entstanden, durch welche es sich von Seele unterscheidet. In der gegenwärtigen Sprache ist die lebendige Seele dem toten Körper, und der feine, unsichtbare Geist dem sinnlich Wahrnehmbaren entgegengesetzt. Vom Gebirg zum Gebirg | schwebet der ewige Geist, — ewiges Lebens ahndevoll." Goethe, Schwager Kronos. "Licht und Geist, jenes im Physischen, dieser im Sittlichen herrschend, sind die höchsten denkbaren unteilbaren Energien." Ders., Spr. i. Pr. 986. Während im engeren Sinne Seele den Sitz des Empfindens und Begehrens bezeichnet, ist der Geist das Werkzeug des Denkens, Forschens, Überlegens; seine Tätigkeit umfaßt die des Verstandes und der Vernunft. Einen Geist haben daher die Tiere nicht, nur der Mensch besitzt ihn. Man spricht von einer fühlenden, reinen, unschuldigen usw. Seele, aber von einem scharfen, klaren, weitschauenden usw. Geiste. "Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle | bewahrt die kindlich reine Seele." Schiller, Kraniche des Ibykus. Ferner nennt man unsichtbare denkende Wesen, deren Dasein der Mensch vermöge seiner Vernunft ahnt, Geister. "Ich fühl's, du schwebst um mich, erflehter Geist!" Goethe, Faust I. "Gesang der Geister über den Wassern." Goethe. Namentlich wird das höchste Wesen und in diesem wieder die dritte Person so genannt, deren Aufgabe das Wirken nach außen, in der Welt, ist. "Gott ist ein Geist." Joh. 4, 24. "Drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der heilige Geist." 1. Joh. 5, 7. Weiter nennt man Geist auch den Gedanken, der durch ein Zeichen, Symbol dargestellt wird, überhaupt das eigentliche, von aller äußerlichen Zutat entkleidete, innere Wesen eines Dinges, z. B. Zeitgeist, Geist einer Schrift, des Gesetzes usw. "Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig." 2. Kor. 3, 6. In allen diesen Fällen könnte Seele nicht stehen. (Vgl. über Geist Rud. Hildebrands meisterhafte Abhandlung in Grimms Wörterbuch.) Gemüt ist ein Kollektivbegriff zu ahd. muot, d. i. Gesinnung, und bezeichnet das gesamte innere Leben des Menschen, namentlich das durch den Geist beherrschte Empfinden und Wollen. Es ist eins der schönsten Worte unserer Sprache; namentlich wird den deutschen Frauen Gemüt beigelegt, wo das Wort im engern Sinne gemeint ist und die glückliche Vereinigung von Geist und Gefühl, von Licht und Wärme andeutet. Zu Goethes Zeit wurde mit dem Worte von den Dichtern viel Mißbrauch getrieben; deshalb schrieb er: "Die Deutschen sollten in einem Zeitraum von dreißig Jahren das Wort Gemüt nicht aussprechen, dann würde nach und nach Gemüt sich wieder erzeugen; jetzt heißt es nur: Nachsicht mit Schwächen, eignen und fremden." Spr. i. Pr. 299. Das Herz (lat. cor, gr. kardia) ist in eigentlicher Bedeutung der fleischige Zentralmuskel, der den Blutumlauf im Körper bewirkt und regelt. In übertragener Bedeutung, die hier lediglich in Betracht kommt, bedeutet es dann den lebendigen Kraftmittelpunkt des Menschen zum Geben und Empfangen (namentlich Gellert gebraucht das Wort so), den Mittelpunkt des Fühlens sowohl nach der leidenden, passiven, als nach der tätigen, kräftigen, nach außen wirkenden Seite hin. So sagt man: ein Herz für die Unglücklichen, ein weiches, mildes, gutes, treues, warmes usw. Herz haben, als auch: sich ein Herz fassen, beherzt, herzhaft sein, das Herz nicht verlieren usw. Gegenwärtig denkt man bei Herz vorwiegend an die geselligen Neigungen, mit denen wir an dem Wohl und Weh anderer teilnehmen: Liebe, Mitleid usw. "Es schwelgt das Herz in Seligkeit." Schiller, Glocke. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, | ob sich das Herz zum Herzen findet." Ebenda.


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