620. Gähnaffe 1). Maulaffe 2).

1) & 2) Jackanape(s). 1) & 2) Badaud. 1) & 2) Balordo, babbuasso.

Durch seine blöde Neugier zeichnet sich vor allem der Affe aus, der ohne Verständnis alles lange angafft, was in seiner Nähe vorgeht. Hiervon kommt die Bezeichnung eines dummen Gaffers als Gähnaffe oder Maulaffe. Die Bestimmungswörter Gähn- und Maul- deuten zugleich auf das Offenstehen des Mundes hin, das dem Gesicht eines Menschen besonders einen blöden Ausdruck gibt und daher als Zeichen der Dummheit gilt. Beide Ausdrücke bezeichnen also einen dummen, geistlosen Gaffer. Gähnaffe (von gähnen, den Mund aufsperren) hebt dabei das Aufsperren des Mundes hervor und ist, da es auch ein krampfhaftes, nicht anstößiges Gähnen gibt, nicht so derb, wie der an das der niedrigen Sprache als Bezeichnung für den Mund angehörende Maul sich anschließende Volksausdruck Maulaffe. Mit offen hängt das Wort Affe nicht zusammen. Für "Maulaffen feil halten" sagte man mittelhochd. tôren veile vüeren (d. i. Dummköpfe feil halten). Schon im 13. Jahrhundert sagte man mittelhochd. mundaffe. Bei Hans Sachs heißt es: "ir kelber, tortschen und maulaffen" (Pastnachtspiele, herausgeg. von Edm. Goetze, 539, 18, Halle 1880 ff.). Von "Halbdenkern und ästhetischen Maulaffen" spricht Schiller.


 © textlog.de 2004 • 16.07.2020 19:39:40 •
Seite zuletzt aktualisiert: 10.07.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z