Haus

Haus. Ein Gebäude, welches zur Wohnung einer Privatfamilie bestimmt ist und allgemein ein Wohnhaus genannt wird. Es ist von dem Pallast darin unterschieden, dass es kleiner, weniger prächtig ist und keines besonderen Charakters bedarf.

 Diejenigen, die über die Baukunst schreiben, versäumen allgemein am meisten, von dem Bau guter Wohnhäuser nötigen Unterricht zu geben, indem sie hauptsächlich ihr Augenmerk auf Palläste und öffentliche Gebäude richten. Wir wollen einem angehenden Baumeister durch die hier zumachenden Anmerkungen Gelegenheit geben, seine Aufmerksamkeit zu vollkommener Einrichtung der Wohnhäuser zu schärfen.

 Damit er die Bequemlichkeit, Annehmlichkeit und das gute Aussehen des Hauses zugleich erreiche, muss er allemal folgende Dinge in reife Überlegung nehmen. Zuerst den Stand und die Lebensart dessen, der bauen will; weil die Erfindung und Anordnung des Hauses lediglich davon abhängt. Bei dieser Überlegung setze er fest, wie viel Platz jede Klasse der Bewohner des Hauses nötig hat: der Herr des Hauses, seine Gemahlin, seine Kinder, die Bedienten des Hauses. Dieses bestimmt also die Menge und Größe der Zimmer. Ferner muss ihm die Erwägung oben gedachter Umstände die Richtschnur zur Anordnung oder Verteilung der Zimmer an die Hand geben; denn aus dem Zustand der Familie muss er beurteilen, wie fern die Absonderung oder nahere Verbindung der Zimmer notwendig ist. Wo z. B. viel Bediente in einem Hause sind, die unter der Aufsicht eines Haushofmeisters stehen, da werden die Wohnungen derselben abgesondert und nur für wenige Bediente, die der Herrschaft beständig zur Hand sein müssen, werden einige kleine Zimmer, nahe an den Herrschaftlichen angelegt. Sind in dem Hause nur wenige einzelne Bediente unter der unmittelbaren Aufsicht der Herrschaft, so erfordert dieses schon eine andere Einrichtung. Eben so muss der Herr des Hauses, nach Beschaffenheit seiner Geschäfte oder seiner Lebensart, außer seinem eigentlichen Wohnzimmer mehr oder weniger andere Zimmer haben und dieselben müssen von den Zimmern der Frauen des Hauses entweder abgesondert oder mit denselben verbunden sein. Auf gleiche Weise muss er jeden besonderen Umstand aus dem, was dem Stand und der Lebensart des Eigentümers zukommt, genau überlegen. Wenn er nicht auf einmal alles, was dazu gehört, deutlich vor Augen hat, so ist es nicht möglich den künftigen Bewohnern des Hauses alle Bequemlichkeiten zu verschaffen. Denn der Baumeister, der sich bloß überhaupt vorsetzt, ein gutes Haus von einer gewissen Anzahl Zimmern zu bauen und dem Besitzer danach zu überlassen, wie er sich darin einrichten will, wird nie etwas vollkommenes herausbringen. Die Einrichtung muss vorher genau auf die Umstände und die Bedürfnisse der künftigen Bewohner desselben abgepasst werden und bei der ersten Anlage, muss bei jedem einzeln Teile der künftige Gebrauch desselben schon ausgemacht sein. Zum wenigsten ist dieses die einzige Art etwas Vollkommenes zu machen. Darum muss ein Baumeister nicht bloß das, was seiner Kunst eigen ist, verstehen, sondern überhaupt ein Mann von Verstand und reifer Beurteilung sein, der zugleich die Welt und die Lebensart aller Menschen, von welchem Stande sie seien, genau kennt. Ein unverständiger oder ein leichtsinniger und ausschweifender Baumeister kann Gelegenheit zu mancher Unordnung in der Lebensart geben und ein ganz vernünftiger hingegen kann viel zu einer vernünftigen und ordentlichen Lebensart beitragen. Es gehört also mehr dazu als die Säulenordnungen oder eine regelmäßige Fassade zeichnen zu können.

 Wo es irgend angeht, so tut man wohl, wenn die Häuser, deren künftige Besitzer ihres Vermögens halber auf die vornehmsten Gemächlichkeiten des Lebens sehen, so angelegt werden, dass der erste Boden 3 bis 4 Fuß über die Erde zu liegen kommt, wodurch man, außer guten hellen Kellern, schöne halb unterirrdische Kammern und Küchen zum Gebrauch der Hauswirtschaft bekommt.

 Die Tiefe solcher Häuser wird am besten von 48 bis 56 Fuß genommen, damit die Hauptzimmer eine ansehnliche Tiefe bekommen und in anderen Zimmern Alcoven und wo Licht von den Seiten zu haben ist, kleine Kammern für Bediente, die man zur Hand haben will und für andere Bequemlichkeiten, können angebracht werden. Auch gibt dieses in etwas großen Häusern zu Nebentreppen die schönste Gelegenheit. Die meisten neueren Häuser in Berlin haben den Fehler, dass sie nicht tief genug sind, indem sie nur 44 bis 45 Fuß haben, einige gar noch weniger.

 Häuser, die nur für eine Familie gebaut werden und dabei eine hinlängliche Breite haben, bekommen das beste Ansehen, wenn sie einen hohen Fuß von 5 bis 6 Schuhen, danach eine Ordnung von Pilastern oder Säulen, mit einem Hauptstok und einer Attique darüber haben.

 


 © textlog.de 2004 • 19.08.2019 01:13:10 •
Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z