Oberbefehl und Rekrutierung


Nach diesen verwenden sie auch die Truppen derjenigen, zu deren Schule sie zu den Waffen greifen, sodann auch die Hilfstruppen ihrer sonstigen Freundnachbarn. Endlich bilden sie ein Korps ihrer eigenen Mitbürger, aus deren Reihen sie einen Mann von erprobter Tugend an die Spitze des gesamten Heeres stellen. Diesem werden zwei andere Befehlshaber in der Art unterstellt, dass sie, so lange der Oberfeldherr am Leben und gesund bleibt, nur als Privatpersonen gelten, wenn jener aber gefangen oder getötet wird, folgt einer von den beiden in gleichsam erblicher Weise in seiner Stelle nach. Wird auch dem Zweiten dasselbe Geschick zuteil, so kommt ein Dritter daran, damit nicht, da die Wechselfälle des Krieges gar mannigfache sind, die Gefahren, die dem Hauptanführer drohen, auch das ganze Heer in Gefahr bringen.

In jeder Stadt wird eine Aushebung aus der Schar derjenigen vorgenommen, die sich freiwillig stellen, denn zum Kriege nach auswärts wird keiner wider seinen Willen zum Militär genommen, weil sie sehr wohl wissen, dass ein Furchtsamer nicht nur selbst nichts Tüchtiges leistet, sondern auch Furcht in die Reihen seiner Kameraden trägt und unter ihnen fortpflanzt.

Wenn übrigens der Krieg seitens des Feindes ins Vaterland getragen wird, so werden solche Feiglinge, wenn sie anderes körperlich leistungsfähig sind, entweder auf die Schiffe unter kriegstüchtigeres Material gesteckt, oder sie werden innerhalb der Festungsmauern in kleinen Abteilungen verteilt, wo sich ihnen keine Gelegenheit bietet, auszureißen.

So drängen die Scham vor den Ihrigen, der Feind vor den Toren und die ihnen gänzlich benommene Hoffnung auf Flucht die Furcht in den Hintergrund und gar oft wird aus der äußersten Not eine Tugend gemacht.


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