15. Nichtigkeit des Besitzes


Sie wundern sich gar sehr, wenn sich jemand an dem zweifelhaften Glanze eines Edelsteinchens oder eines falschen Steines ergötzt, während er doch nur einen beliebigen Stern oder den Glanz der Sonne selbst als etwas viel Schöneres zu betrachten braucht, oder wie jemand so unvernünftig sein könne, dass er sich selbst etwas Besseres dünkt, weil er einen Rock von feinerem Gewebe anhat, denn sei die Wolle auch noch so sein, so hat sie doch immer zuerst ein Schaf getragen, und dieses ist mittlerweile nichts anderes geworden, sondern ist immer ein Schaf geblieben.

Ebenso wundern sie sich, wie das seiner Natur nach ganz unnütze Gold jetzt in der Wertschätzung aller Völker so hoch stehe, dass der Mensch selbst, durch den und dessen Gebrauch es erst jenen Wert erhalten hat, viel niedriger geschätzt wird. Und das geht so weit, dass irgend ein Dummkopf, der nicht mehr Verstand hat als ein Holzklotz, und ebenso schlecht als dumm ist, viel weise und brave Männer in seiner Dienstbarkeit hat, und das nur deswegen, weil er zufällig einen größeren Haufen gemünzten Goldes besitzt. Wenn dieses durch einen Glücksumschwung oder einen Gesetzeskniff (der nicht minder als das Gesetz selbst das Unterste zu oberst kehren kann) von jenem Herrn und Besitzer auf den erbärmlichsten Taugenichts seines Hausgesindes übertragen würde, so würde der Herr alsbald in die Knechtschaft seines Dieners kommen, als ob er nur ein Anhängsel und eine Zugabe zum Gelde sei.

Noch viel mehr wundern sie sich über die Unvernunft derjenigen, und lassen ihr die gebührende Verachtung angedeihen, die den Reichen, deren Schuldner sie weder, noch denen sie sonst irgendwie verpflichtet sind, fast göttliche Ehren erweisen, aus keinem anderen Grunde, als weil sie reich sind, und trotzdem, dass sie sie als so filzig und habsüchtig kennen, um zu wissen, dass ihnen bei Lebzeiten dieser Reichen nie auch nur ein einziger Groschen von denselben zukommen wird.


 © textlog.de 2004 • 20.10.2017 20:10:18 •
Seite zuletzt aktualisiert: 08.11.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright