16. Unterricht und Wissenschaft


Diese und ähnliche Ansichten haben sie teilweise aus ihrer Erziehung geschöpft, indem sie in einem Staate aufgezogen sind, dessen Einrichtungen von ähnlichen Torheiten weit entfernt sind, teilweise aus der Literatur und aus den Wissenschaften.

Denn wenn auch nur wenige in jeder Stadt sind, die, von den anderen Arbeiten befreit, ausschließlich für die Wissenschaften bestimmt sind, diejenigen nämlich, bei denen von Kindheit auf eine ausgezeichnete Begabung, ein glänzender Verstand und ein wissenschaftlich veranlagter Geist bemerkt worden ist, so wird doch allen Knaben eine wissenschaftliche Grundlage gegeben und der größere Teil des Volkes, sowohl Männer als Frauen, widmen ihr ganzes Leben lang alle arbeitsfreien Stunden, wie schon gesagt worden, den Wissenschaften.

Die einzelnen Wissenschaften, lernen sie in ihrer Sprache. Diese ist wortreich genug, dem Ohr von angenehmem Klang und zum klaren Ausdrucke der Gedanken vortrefflich geeignet. Sie ist über einen großen Teil jenes Erdkreises verbreitet, nur dass sie hier reiner, dort verderbter gesprochen wird.

Von allen den Philosophen, deren Namen in unseren bekannten Erdteilen berühmt sind, hat sie vor unserer Ankunft nicht einmal ein ruhmvolles Gerücht erreicht gehabt, und doch haben sie in Musik, Dialektik, Arithmetik und Geometrie dieselben Erfindungen gemacht, wie wir in alten Zeiten.

Wenn sie aber den Alten fast in allen Dingen gleichkommen, so stehen sie in der Dialektik den Erfindungen der Neueren weit nach. Denn sie haben keine jener Regeln erfunden, die über Einschränkungen, Erweiterungen und Unterschiebungen in den Anfangsgründen der Logik höchst scharfsinnig ausgedacht worden sind und die schon unsere Knaben lernen.

Sodann waren sie weit davon entfernt, die zweiten Begriffe aufgestellt zu haben, so dass sie nicht imstande waren, den »Menschen im Allgemeinen«, wie es heißt, zu entdecken, der, wie bekannt, ein wahrer Riese, ja im Grunde größer als jeder Riese ist, auf den, als etwas ganz Bekanntes, wir nur so mit den Fingern zeigen.

Dagegen sind sie in der Lehre vom Lauf der Gestirne und von der Bewegung der Himmelskörper sehr bewandert. Scharfsinnig haben sie auch Instrumente mit verschiedenen Figuren ausgedacht, wodurch Bewegung und Stellung von Sonne, Mond und verschiedenen anderen Gestirnen, die innerhalb ihres Horizontes fallen, auf's allergenaueste dargestellt sind.

Aber von freundlicher und feindlicher Stellung der Wandelsterne (Planeten) und jenem ganzen Schwindel des Wahrsagens aus den Sternen lassen sie sich nichts träumen. Regen, Winde und die übrigen Wechselfälle der Witterung wissen sie durch gewisse Anzeichen lange vorherzusagen.

Über die Ursachen aller dieser Dinge, über die Bewegung und Salzigkeit des Meeres und endlich über Natur und Ursprung des Himmels und der Welt nehmen sie zum Teil dasselbe an wie unsere alten Philosophen, teilweise weichen sie, wie unsere Philosophen unter einander, von ihnen allen ab, wenn sie neue Erklärungsarten beibringen, aber unter sich selbst sind sie doch keineswegs einig.


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