Cristofano Allori

Allori, Cristofano, geb. 1577, war ein Sohn und Schüler des Vorigen, kehrte aber der Schule seines Vaters mit ihrem matten und melancholischen Kolorit den Rücken und wandte sich der des Cigoli mit ihrer schönen warmen Färbung und der Anmut in den Körperbildungen zu. Indem er diesem neuen Geschmack mit allem Eifer huldigte, bildete er sich jedoch zu einer ihn über alle seine, in der herrschenden eklektischen Richtung befangenen künstlerischen Zeitgenossen erhebenden Selbstständigkeit aus, die in seinen besten Werken eine edle und schöne Originalität entfaltet, wie er z. B in dem grossartigen und tiefpoetischen Bilde der Judith (gest. v. M. Gandolfi) in der Galerie Pitti zu Florenz,* dem vollendetsten Gemälde, das sein Pinsel hervorgebracht, beweist. Es wird erzählt, der Künstler habe in dem Haupt des Holofernes sein eigenes Porträt, in dem der Judith das seiner stolzen, ihn zurückweisenden Geliebten dargestellt. Derselbe geistvolle Schwung geht durch die meisten seiner ändern Bildern, die Wiederholungen der Judith in der k. k. Galerie zu Wien, und in der Galerie der Uffizien zu Florenz, seine heil. Cäcilia bei Herrn Wells in London seine Isabella von Arragonien, ein treffliches historisches Gemälde im Louvre zu Paris sowie durch seine Porträts in der Galerie der Uffizien, z.B. das des Julianus Medicis, Herzogs von Nemour; ja selbst seine mehr um des Gelderwerbs willen gemachten vielen Porträts, z.B. die berühmter Personen für die von Cristofano Altissimo begonnene Sammlung des Grossherzogs Ferdinand I. und andere, die er häufig in kleinen Dimensionen ausführte, werden gerühmt. Ebenso widmete er sich der Landschaftsinalerei mit gleichem Talent und Glück, auch soll er mehrere Werke Correggio's, namentlich seine Magdalena, aufs Täuschendste kopiert haben. Aus Allori's Bildern spricht ein poetischer, lebendiger Geist; sie zeichnen sich durch Energie der Handlung, Wahrheit des Ausdrucks, warmes und kräftiges Kolorit, treffliche Haltung und fleißige Ausführung aus. Ausschweifungen in der Liebe brachten ihn in seinem 44. Jahre um sein Leben. Er starb 1621.

 

Literatur. Lanzi, Gesch. der bild. Künste in Italien. — Fiorillo, Gesch. der zeichn. Künste in Italien. — Kugler Handb. des Gesch. der Malerei.— Museo fiorentino, woselbst auch sein Porträt im Stich. —

 

* Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. der Kunstgesch. Taf. 5, Fig. 88.


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