Correggio



- Danae, Leda, Jo, Hl. Magdalena


Aber nicht allein das Gemüt durch religiöse Darstellungen anzuregen und zu erbeben, abwechselnd auch das Auge durch die Reize schöner Formen in der rückhaltslosesten Hingabe an den Genuss der Sinne zu ergötzen, schuf er jetzt wieder eine Reihenfolge von Bildern, in denen er, wie dort die Wonne der Andacht, die schwärmerische Ekstase des religiösen Gefühls, so hier die Schauer des Entzückens der Liebeslust mit einer Vollendung zeichnete, die vielleicht nur von der vollkommenen Reinheit und Naivität, in der sie zur Erscheinung kommt, übertreffen wird. So malte er für Friedrich II. von Mantua, zu einem Geschenk an Karl V., der ihn vom Marchese zum Herzog erhoben hatte, bei dessen im J. 1530 gefeierten Krönung zu Bologna eine Danae (jetzt in der Galerie Borghese zu Rom) und eine Leda. Danae liegt halb aufgerichtet auf prachtvollem Ruhebett, Amor, eine äußerst reizende Gestalt, sitzt ihr zu Füßen und fängt den goldenen Regen in ihren Gewändern auf. Vor dem Bette stehen Amorinen, die in anmutigster Naivität beschäftigt sind, ihre Pfeile zu spitzen und auf einem Probierstein zu prüfen. — Leda sitzt unter einem Baume am Ufer eines schattenreichen See's mit dem Schwan im Schoße, zur Linken badende Gespielinnen, zur Rechten musizierende Liebesgötter. Um dieselbe Zeit entstand ferner, außer mehreren anderen erotischen Gemälden aus der antiken Mythe oder Wiederholungen bereits ausgeführter, für verschiedene Edelleute der Lombardei bestellt, die vom Jupiter in einer Wolke umarmte Jo (gest. v. Bartolozzi, lith. v. Jentzen). Alle drei Bilder, ausgezeichnet durch die überaus schöne Darstellung der süßesten Wonnen der Liebe, durch die höchste Macht des Ausdrucks und feinste Grazie der Bewegung, durch die größte Zartheit der Behandlung und die Anmut des Kolorits, befanden sich früher in der Sammlung der Königin von Schweden und kamen später nach mehrfachem Wechsel des Besitzes in die berühmte Galerie des Herzogs von Orleans zu Paris, dessen Sohn wegen des darin aufs Höchste gesteigerten Ausdrucks der Wollust die Köpfe der Jo und Leda aus dem Bilde schneiden und verbrennen ließ. Der erstere wurde von Proudhon, der letztere von Schlesinger wieder sehr schön ergänzt. Die beiden letzteren Bilder, von König Friedrich II. von Preussen nach ihrer vandalischen Verstümmlung erkauft, befinden sich im Museum zu Berlin. In der k. k. Galerie zu Wien sieht man eine vorzügliche Wiederholung der Jo vom Meister selbst, eine Wiederholung der Hauptgruppe der Leda in kleineren Dimensionen im Palast Rospigliosi zu Rom, eine andere im Palast Colonna zu Rom.* Auch andere Wiederholungen aller drei Bilder, zum Teil mit Veränderungen, werden erwähnt. Weitere Bilder, die er für Gonzaga gemalt haben soll, sind die mit Wasserfarben ausgeführten Allegorien: der Mensch unter der Herrschaft der Laster und der Triumph der Tugend (in der königl. Sammlung der Handzeichnungen zu Paris); ferner die vom Ruhm gekrönte Tugend (unvollendet gebliebenes Ölbild) in der Galerie Doria Pamfili zu Rom. Im Jahr 1532 befand sich Correggio wieder in seiner Vaterstadt und malte hier, nachdem er zuvor in Mantua denselben Gegenstand für Friedrich Gonzaga von Tizian ausgeführt, gesehen, die heilige Magdalena, jenes überaus reizvolle Bildchen in der Dresdner Galerie, eines der größten Meisterwerke in Bezug auf Wirkung der Beleuchtung, auf Feinheit der Abstufungen des Helldunkels und der Harmonie aller Tinten in der Färbung, von dem eine eigenhändige Wiederholung in der Sammlung des Lords Ward zu London und viele Kopien von Albani, den Carracci u. A. existieren (gest. v. Longhi, J. Humphreys, Rahl, Knolle). Die Herren von Correggio sollen dieses Bild gekauft und damit Karl V., der im Dezember desselben Jahres ihr Gast war, ein Geschenk gemacht haben. Auch soll Correggio, einer alten Chronik zufolge, für die letzteren Herren, die ihren großen Gast in würdigen Gelassen zu beherbergen den Wunsch gehegt, die Gewölbe und Lunetten einiger Zimmer ihres Palastes mit Darstellungen aus der Mythologie und den Fabeln der Alten geschmückt, die damalige kriegerische Zeit aber mit ihren Zerstörungen im Gefolge dieselben schon bald nach ihrer Entstehung wieder vernichtet haben. Im Jahre 1533 bestellte Dr. Alberto Panciroli bei Correggio ein großes Bild für einen Altar seiner Familienkapelle in S. Agostino, der Meister könnte dasselbe aber nicht mehr vollenden, denn ein rasch sich entwickelndes organisches Leiden machte seinem Leben, das er nur auf 40 Jahre und einige Monate brachte, ein Ende. Er starb am 5. März 1534 zu Correggio und wurde in der Kirche S. Francesco unter dem Porticus daselbst begraben. Seine Eltern überlebten ihn beide. Sein Sohn Pomponio folgte des Vaters Fussstapfen als Maler; von seinen drei Töchtern waren zwei jung gestorben, die dritte, Letizia, überlebte ihn.

 

* Abgebildet in den Denkmälern der Kunst. Atlas zu Kuglers Handb. der Kunstgesch. Taf. 75, Fig. 6  

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