Musik und Krankheit


159.

Musik und Krankheit. — Die Gefahr in der neuen Musik liegt darin, dass sie uns den Becher des Wonnigen und Großartigen so hinreißend und mit einem Anscheine von sittlicher Ekstase an die Lippen setzt, dass auch der Mässige und Edle immer einige Tropfen zu viel von ihr trinkt. Diese Minimal-Ausschweifung, fortwährend wiederholt, kann aber zuletzt eine tiefere Erschütterung und Untergrabung der geistigen Gesundheit zuwege bringen, als irgend ein großer Exzess es vermöchte: so dass nichts übrigbleibt, als eines Tages die Nymphengrotte zu fliehen und, durch Meereswogen und Gefahren, nach dem Rauch von Ithaka und nach den Umarmungen der schlichteren und menschlicheren Gattin sich den Weg zu bahnen.


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