Ausdehnung

Ausdehnung ist eine Grundeigenschaft der optischen und taktilen Wahrnehmungsinhalte, die Räumlichkeit der Körper. Im weiteren Sinne ist Ausdehnung (extension) das Erfülltsein von Raum und Zeit durch einen Wahrnehmungsinhalt. DESCARTES sieht in ihr das Wesen der Materie (s. d.), ebenso SPINOZA, dem sie als eines der Attribute (s. d.) der »Substanz« gilt (Eth. II, prop. II). »Extensio est id, quod tribus dimensionibus constat« (Ren. Cart. pr. ph. II, def. I). Nach LEIBNIZ ist die Ausdehnung nur eine »verworrene Vorstellung« von inneren Verhältnissen der Monaden (s. d.). Ein »phaenomenon« ist sie nach CHR. WOLF, welcher erklärt: »Si plura diversa adeoque extra se invicem existentia tanquam in uno nobis repraesentamus: notio extensionis oritur: ut adeo extensio sit multorum diversorum, aut, si mavis, extra se invicem existentium coëxistentia in uno« (Ont. § 548). PLATNER erklärt die Ausdehnung aus dem »Zusammenfließen verworrener Vorstellungen einfacher Substanzen« (Phil. Aph. I, § 903). Nach BERKELEY ist die Ausdehnung nur eine Idee (s. Raum), nach HUME ist die »idea of extension« eine »idea of visible or tangible points distributed in a certain order« (Treat. I, p. 358), einer Ordnung von Empfindungen. Nach REID besteht zwischen der objectiven Ausdehnung und der Ausdehnung der Empfindungsinhalte keine Kongruenz (Inqu. p. 120). KANT erklärt die Ausdehnung für eine apriorische Anschauungsform (s. d.); sie ist rein subjektiv. So der gesamte Idealismus im Gegensatze zum Realismus, der die Dinge an sich für ausgedehnt hält oder die Ausdehnung als eine Wirkung dieser Dinge selbst ansieht. So ist nach ULRICI (ähnlich J. H. FICHTE) die Ausdehnung »Folge einer den Raum einnehmenden und gegen das Eindringen eines andern Widerstand leistenden Kraft« (Leib u. Seele S. 36). E. v. HARTMANN betont, daß sie den primitiven Empfindungen nicht zukommt (so auch HERBART u. a.), diese ist erst (wie bei LOTZE) das Produkt einer raumsetzenden Seelenfunktion. »Was als Ausdehnung des Dinges erscheint, ist nur der von diesem Kräftesystem und Kraftäußerungsformen okkupierte, beziehungsweise gesetzte und produzierte Raum« (D. Probl. d. Erk. S. 20). Nach CZOLBE ist die Ausdehnung nicht nur eine Eigenschaft, sondern auch »Subjekt, Substanz sowohl der Atome als des sie durchdringenden Raumes« (Gr. u. Urspr. d. m. Erk. S. 78 f., 95, 253). Nach H. SPENCER ist Ausdehnung ein sekundäres Attribut der Dinge. Wir erkennen sie nur »vermöge einer Kombination von Widerständen« (Psych. II, § 348, S. 233). Nach UPHUES ist Ausdehnung »eine Summe gleichartiger, gleichzeitiger, wechselseitig zusammenhängender, aber nicht einander bedingender Teile, die wir uns in Empfindungen vergegenwärtigen« (Psych. d. Erk. I, 208). Vgl. Raum, Empfindung.


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