Niccolò dell'Abbate

Abbate, Niccolò dell', von den Italienern meist nur Messer Niccolò, auch kurzweg Niccolino genannt, ist 1512 zu Modena geboren, und zeigte schon frühe in mehreren gemeinschaftlich mit A. Fontana ausgeführten Freskomalereien in seiner Vaterstadt ein bedeutendes Talent. Er soll in Correggio's Schule gegangen sein, was immerhin möglich ist; denn, wenn man ihn gleich in seinen besten Werken, z. B. in seinen Wandbildern im Palazzo della Commune zu Modena, den Stil der raphael'schen Schule in einfach edler Weise befolgen sieht, so enthalten dagegen andere, z.B. das Martyrium der Apostel Petrus und Paulus (gest. v. Folkema), ursprünglich für das Kloster S. Piero in Modena gemalt, jetzt in der Dresdener Galerie, im Einzelnen viele Erinnerungen an Correggio. Eines seiner schönsten Gemälde ist eine Geburt Christi (gest. von Gaetano Gandolfi) im Portico de' Leoni zu Bologna. Dieses Bild hat Agostino Carracci zu einem Sonett begeistert, in welchem er dasselbe als das Ideal des Eklektizismus seiner Schule hinstellt. Auch seine übrigen dortigen Fresken sowie die im Schlosse von Scandiano ausgeführten, jetzt in der herzoglichen Galerie zu Modena sich befindenden Wandgemälde, Geschichten der Aeneide darstellend, sollen von den Zeitgenossen vielfach bewundert worden sein und ihm die Berufung des bologneser Malers Primaticcio verschafft haben, dem er 1552 nach Frankreich folgte, woselbst er nach dessen Zeichnungen im Schlosse zu Fontainebleau eine erstaunliche Anzahl grosser Wand- und Deckengemälde aus der Odyssee und der griechischen Mythologie ausführte, überdies für die Grossen des Reichs in Palästen und Schlössern zu Paris, Meudon u. s. w. vielfach beschäftigt war. Von allen diesen Bildern hat sich aber nichts für unsere Anschauung erhalten, als was wir in den nach ihnen gestochenen Blättern besitzen. Abbate starb 1571. — Ausser den angeführten Werken kennt man noch eine Entführung der Proserpina beim Herzog von Sutherland in London und eine heilige Familie in der mehr correggesken Weise des Meisters bei Lord Scarsdale in Keddlestonhall. Die Kupferstichsammlung zu Paris besitzt von seiner Hand das Miniaturbild Franz I. (gest. von Chenu.) — Genialität, lebhafte Phantasie und meisterliche Gewandtheit in den verschiedenen Zweigen der Malerei ist Niccolò nicht abzusprechen. Er half den Geschmack der italienischen Malerei des 16. Jahrhunderts nach Frankreich verpflanzen, aber in jener schon mehr aufs Äußerliche, Dekorative gerichteten Ausartung der nachrömischen Schule, die einen so großen Einfluss auf die nachherige Entwicklung der französischen Malerei ausübte.

 

Literatur. Vedriani, Vite de' pittori, scultori et architetti modenesi 1662. — Tiraboschi, Deserizione de pittori modenesi. Modena 1786. — Pagani, G. Filib., Le pitturo e sculture di Modena 1770. — Lanzi, Geschichte der Malerei in Italien. — Fiorillo, Geschichte der Malerei in Italien.— Speth, die Kunst in Italien. — Kugler, Handbuch der Geschichte der Malerei. — Waagen, Kunstwerke und Künstler in Paris.

Kupferwerke. L' Eneide di Virgilio dip. in Scandiano dal celebre. pitt. Niccolo Abati, dis. dal Gins. Guizzardi, inc. dal. Ant. Gajani. etc. Modena 1821. — Le Pitture di Pellegrino Tibaldi e di Niccolo dell' Abate, des. ed illustr. da Zanotti. Venez. 1756. — Les travaux d'Ulisse, peints a Fontainebleau. par le Sieur Sicolas. Par Theodor van Thulden. Paris 1633. — Kopiert in derselben Grösse von Kilian in Augsburg 1675 und von Melchior Küssell 1681 in kleinerem Format.  


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Seite zuletzt aktualisiert: 31.12.2004 
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