4. Nachwirkungen


Spinozas Lehre fand wohl manche Anhänger, aber meist solche, die sich nicht in die Öffentlichkeit hervorwagen durften, während gegen ihn alsbald eine ganze Reihe deutscher und holländischer Professoren, die vor allem den »Atheisten« in ihm sahen, ihr feineres oder gröberes Geschütz spielen ließen. Von demselben Kieler Theologen Kortholt, der ihn unter die drei großen Betrüger rechnete, wurde er mit Anspielung auf seinen Namen als der Maledictus, seine Lehre als dornig (spinosa) dargestellt. Aber auch von Bayle und einem Teil der Cartesianer wurde er bekämpft, wie anderseits von dem frommen Erzbischof Fénelon; desgleichen verhielt sich Leibniz ablehnend gegen ihn, und auch Christian Wolffs Theologia naturalis griff ihn heftig an. Durch diese Angriffe ward schließlich seine eigentliche Lehre ganz verdeckt, sodass Lessing mit Recht sagen konnte, man habe den Spinoza wie einen toten Hund behandelt. Ein Umschwung erfolgte erst über ein Jahrhundert nach Spinozas Tode durch F. H. Jacobis Briefe Über die Lehre des Spinoza an Moses Mendelssohn (1785). Jacobi behauptete, alle Philosophie, die streng beweisend auftreten wolle, müsse Spinozismus sein (vgl. § 45). Wie ihm dann Herder, Goethe, Schleiermacher, Schelling, Hegel folgten, wird an seinem Orte zu berühren sein.

Wir wenden uns nun dem vierten großen Systematiker der neueren Philosophie zu. Mit ihm geht sie von Frankreich, England und den Niederlanden nach Deutschland über.


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Seite zuletzt aktualisiert: 30.10.2006 
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