2. Schriften


Spinoza teilte seine Lehren nur solchen mit, deren Charakter er vertraute, und die er für geistig stark genug hielt. Bei seinen Lebzeiten sind nur zwei seiner Schriften gedruckt worden. Als nämlich ein junger Mann Unterricht in der Philosophie von ihm begehrte, diktierte er ihm die Hauptsätze der Cartesianischen Philosophie, die dann erweitert auf den Wunsch seines Freundes, des vielseitigen Arztes L. Meyer, von diesem 1663 unter dem Titel: Renati des Cartes Principiorum philosophiae pars I et II, mit dem bezeichnenden Zusatz more geometrico demonatratae herausgegeben wurden, mit einem von Spinoza in 14 Tagen niedergeschriebenen Anhang: Cogitata metaphysica, eine »vom Standpunkte des Cartesianismus aus entworfene, in den Formen der jüngeren Scholastik sich haltende, gedrängte Darstellung von Hauptpunkten der Metaphysik« (Freudenthal). Wie Spinoza selbst brieflich äußert, verfaßte er diese Darstellung, ohne sich dabei im mindesten zu Descartes' Lehre zu bekennen. Die zweite, um 1665 verfaßte, aber erst 1670 anonym und unter falschem Druckort und Verlegernamen (Hamburgi apud Henr. Künrath, eigentlich zu Amsterdam bei Chr. Conrad) veröffentlichte Schrift war der Tractatus theologico-politicus, in dem er zeigen will, dass »die Freiheit des Philosophierens nicht bloß ohne Schaden der Frömmigkeit und des staatlichen Friedens gestattet, sondern nur mit dem staatlichen Frieden und der Frömmigkeit selbst aufgehoben werden könne« Er trägt das Motto 1. Job. 4, 13: »Daran erkennen wir, dass wir in Gott bleiben und Gott in uns, dass er uns von seinem Geiste gegeben hat.«


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