4. Ethische Regeln


Eine zusammenhängende Ethik hat Descartes, sei es aus Scheu vor weiteren Angriffen der Theologen oder infolge seines vorwiegend theoretischen Interesses, nicht geschaffen. Im dritten Kapitel des Discours erklärt er, sich selbst folgende drei Maximen zur Richtschnur für sein Handeln gemacht zu haben: 1. Folge den Gesetzen, Sitten und der Religion deines Landes und schließe dich im übrigen den vernünftigsten und gemäßigtsten Ansichten an. 2. Sei in deinen Handlungen konsequent, selbst auf die Gefahr des Irrtums hin. 3. Beherrsche dich selbst und halte dich an dich selbst, nicht an äußere Dinge. Im gleichen Sinne wie der letzte Satz sind gelegentliche Äußerungen gehalten, die später in Briefen an die Prinzessin Elisabeth und die Königin Christine vorkommen. Sie erinnern an die Anschauungen der jüngeren Stoa (Seneka, Epiktet). Vor allem kommt es darauf an, zu erkennen, was in unserer Gewalt steht und was nicht; auch dies leistet uns die »klare und deutliche« Erkenntnis. Durch sie lernt unser von Natur freier Wille die Affekte beherrschen. Der Hochsinn (générosité) ist der Schlüssel aller Tugenden, die Erkenntnis Gottes und der Unendlichkeit der Welt die höchste aller Erkenntnisse, die geistige Liebe (amor intellectualis) zu Gott das edelste aller Gefühle.


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Seite zuletzt aktualisiert: 31.10.2006 
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