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Schema

Schema. Jeder Begriff hat, nach Kant, sein „Schema“, d. h. ein Verfahren, sich durch eine allgemeine, stellvertretende Vorstellung den Inhalt des Begriffs allgemein-anschaulich zu verwirklichen. Die reinen Verstandesbegriffe, die Kategorien (s. d.) haben je ein „transzendentales“, die Erfahrungserkenntnis bedingendes Schema, durch welches sie erst „realisiert“ werden, d. h. unmittelbare Beziehung auf das anschaulich Gegebene erhalten, freilich aber auch „restringiert“, auf die Bedeutung als bloße Form von Erscheinungen, von Gegenständen möglicher Erfahrung und Anschauung, eingeschränkt werden. Das transzendentale Schema ist kein Bild, sondern eine Regel, ein Verfahren, mittelst der reinen Anschauung der Zeit das in der Kategorie gemeinte, angezeigte Verhältnis an dem empirischen Anschauungsmaterial zum Ausdruck zu bringen, es auf dieses anzuwenden, es der Einheit des Verstandesbegriffs gemäß zu bestimmen, zu verknüpfen. Der transzendentale Schematismus vermittelt so zwischen dem reinen Denken und der Sinnlichkeit, er gibt den Kategorien ihre „Bedeutung“ und der Anschauung ihre kategoriale Struktur.

Reine Verstandesbegriffe (Kategorien) sind in Vergleichung mit sinnlichen Anschauungen ganz ungleichartig, sie können niemals angeschaut werden. „Wie ist nun die Subsumtion der letzteren unter die ersten, mithin die Anwendung der Kategorie auf Erscheinungen möglich?“ Das zeigt die „transzendentale Doktrin der Urteilskraft“. Es muß nämlich „ein Drittes“ geben, „was einerseits mit der Kategorie, andererseits mit der Erscheinung in Gleichartigkeit stehen muß, und die Anwendung der ersteren auf die letzte möglich macht“. „Diese vermittelnde Vorstellung muß rein (ohne alles Empirische) und doch einerseits intellektuell, andererseits sinnlich sein. Eine solche ist das transzendentale Schema“ Als dieses fungiert die „transzendentale Zeitbestimmung“. Denn diese ist mit der Kategorie (der Einheit der Zeitbestimmung) „sofern gleichartig, als sie allgemein ist und auf einer Regel a priori beruht“. „Sie ist aber andererseits mit der Erscheinung sofern gleichartig, als die Zeit in jeder empirischen Vorstellung des Mannigfaltigen enthalten ist. Daher wird eine Anwendung der Kategorie auf Erscheinungen möglich sein vermittelst der transzendentalen Zeitbestimmung, welche, als das Schema der Verstandesbegriffe, die Subsumtion der letzteren unter die erste vermittelt.“ Das Schema des Verstandesbegriffs ist die allgemeine Bedingung, unter der die Kategorie allein auf irgendeinen Gegenstand angewandt werden kann, die „formale und reine Bedingung der Sinnlichkeit, auf welche der Verstandesbegriff in seinem Gebrauch restringiert ist“. Das Schema ist „an sich selbst jederzeit nur ein Produkt der Einbildungskraft; aber indem die Synthesis der letzteren keine einzelne Anschauung, sondern die Einheit in der Bestimmung der Sinnlichkeit allein zur Absicht hat, so ist das Schema doch vom Bilde zu unterscheiden. So, wenn ich fünf Punkte hintereinander setze ...., ist dieses ein Bild von der Zahl fünf. Dagegen, wenn ich eine Zahl überhaupt nur denke, die nun fünf oder hundert sein kann, so ist dieses Denken mehr die Vorstellung einer Methode, einem gewissen Begriffe gemäß eine Menge (z. B. Tausend) in einem Bilde vorzustellen, als dieses Bild selbst“. „Diese Vorstellung nun von einem allgemeinen Verfahren der Einbildungskraft, einem Begriff sein Bild zu verschaffen, nenne ich das Schema zu diesem Begriffe.“ Unseren sinnlichen Begriffen liegen nicht BUder der Gegenstände, sondern Schemate zugrunde (z. B. von einem Dreieck überhaupt, dem ja kein Bild adäquat sein kann). Das Schema eines Dreiecks ist „eine Regel der Synthesis der Einbildungskraft, in Ansehung reiner Gestalten im Raume“. Das Schema ist „eine Regel der Anschauung, gemäß einem gewissen allgemeinen Begriffe“. Dieser „Schematismus“ ist „eine verborgene Kunst in den Tiefen der menschlichen Seele“. Wir wissen nur: „das Bild ist ein Produkt des empirischen Vermögens der produktiven Einbildungskraft, das Schema sinnlicher Begriffe (als der Figuren im Raume), ein Produkt und gleichsam ein Monogramm der reinen Einbildungskraft a priori, wodurch und wonach die Bilder allererst möglich werden“. Das Schema ist nichts, was in ein Bild gebracht werden könnte, sondern „nur die reine Synthesis, gemäß einer Regel der Einheit nach Begriffen überhaupt, die die Kategorie ausdrückt“, ein „transzendentales Produkt der Einbildungskraft“, KrV tr. Anal. 2. B. 1. H. (I 182 ff.—Rc 237 ff.).

Die Schemate, nach der Ordnung der Kategorien, sind: „Das reine Bild aller Größen (quantorum) vor dem äußeren Sinne ist der Raum; aller Gegenstände der Sinne aber überhaupt, die Zeit. Das reine Schema der Größe aber (quantitatis), als eines Begriffs des Verstandes, ist die Zahl“ (s. d.). Das Schema der Realität (s. d.) ist die erfüllte, das der Negation die leere Zeit; das Schema der Realität ist die kontinuierliche und gleichförmige Erzeugung der Quantität von Etwas in der Zeit. Das Schema der Substanz (s. d.) ist die „Beharrlichkeit des Realen in der Zeit“. Das Schema der Kausalität (Ursache) ist die „Sukzession des Mannigfaltigen, insofern sie einer Regel unterworfen ist“. Das Schema der Gemeinschaft (Wechselwirkung) der Substanzen ist das „Zugleichsein der Bestimmungen der Einen mit denen der Anderen, nach einer allgemeinen Regel“. Das Schema der Möglichkeit ist die „Bestimmung der Vorstellung eines Dinges zu irgendeiner Zeit“. Das Schema der Wirklichkeit ist „das Dasein in einer bestimmten Zeit“. Das Schema der Notwendigkeit ist „das Dasein eines Gegenstandes zu aller Zeit“, ibid. (I 186 ff.—Rc 241 ff.).

Man sieht aus allem diesen, „daß das Schema einer jeden Kategorie, als das der Größe, die Erzeugung (Synthesis) der Zeit selbst in der sukzessiven Apprehension eines Gegenstandes, das Schema der Qualität die Synthesis der Empfindung (Wahrnehmung) mit der Vorstellung der Zeit, oder die Erfüllung der Zeit, das der Relation das Verhältnis der Wahrnehmungen untereinander zu aller Zeit (d. i. nach einer Regel der Zeitbestimmung), endlich das Schema der Modalität und ihrer Kategorien, die Zeit selbst, als das Korrelatum der Bestimmung eines Gegenstandes, ob und wie er zur Zeit gehöre, entfalte und vorstellig mache. Die Schemate sind daher nichts als Zeitbestimmungen a priori nach Regeln, und diese gehen nach der Ordnung der Kategorien auf die Zeitreihe, den Zeitinhalt, die Zeitordnung, endlich den Zeitinbegriff in Ansehung aller möglichen Gegenstände.“ Hieraus erhellt nun, „daß der Schematismus des Verstandes durch die transzendentale Synthesis der Einbildungskraft auf nichts anderes als die Einheit alles Mannigfaltigen der Anschauung in dem inneren Sinne und so indirekt auf die Einheit der Apperzeption, als der Funktion, welche dem inneren Sinn (einer Rezeptivität) korrespondiert, hinauslaufe. Also sind die Schemate der reinen Verstandesbegriffe die wahren und einzigen Bedingungen, diesen eine Beziehung auf Objekte, mithin Bedeutung zu verschaffen, und die Kategorien sind daher am Ende von keinem anderen, als einem möglichen empirischen Gebrauche, indem sie bloß dazu dienen, durch Gründe einer a priori notwendigen Einheit (wegen der notwendigen Vereinigung alles Bewußtseins in einer ursprünglichen Apperzeption) Erscheinungen allgemeinen Regeln der Synthesis zu unterwerfen, und sie dadurch zur durchgängigen Verknüpfung in einer Erfahrung schicklich zu machen“, ibid. (I 188 f.—Rc 243 f.). „Es fällt aber doch auch in die Augen: daß, obgleich die Schemate der Sinnlichkeit die Kategorien allererst realisieren, sie doch selbige gleichwohl auch restringieren, d. i. auf Bedingungen einschränken, die außer dem Verstande liegen (nämlich in der Sinnlichkeit). Daher ist das Schema eigentlich nur das Phänomenon, oder der sinnliche Begriff eines Gegenstandes, in Übereinstimmung mit der Kategorie“ (z. B. die Zahl ist „quantitas phaenomenon“, die Empfindung „realitas phaenomenon“ usw.). Ohne Schemate sind die Kategorien „nur Funktionen des Verstandes zu Begriffen, stellen aber keine Gegenstände vor“. „Diese Bedeutung kommt ihnen von der Sinnlichkeit, die den Verstand realisiert, indem sie ihn zugleich restringiert“, ibid. (I 289 f.—Rc 244 f.). Die Kategorie liegt „ganz außerhalb aller Anschauung“, und doch muß ihr eine solche untergelegt werden, wenn sie Erkenntnis bieten soll. Soll diese Erkenntnis a priori sein, so muß ihr „reine Anschauung untergelegt werden, und zwar der synthetischen Einheit der Apperzeption des Mannigfaltigen der Anschauung, welche durch die Kategorie gedacht wird, gemäß, d. i. die Vorstellungskraft muß dem reinen Verstandesbegriff ein Schema a priori unterlegen, ohne das er gar keinen Gegenstand haben, mithin zu keiner Erkenntnis dienen könnte“, Fortschr. d. Metaph. 1. Abt. V. d. Umfange (V 3, 100). Vgl. Kategorie, Symbol, Zeichen, Anthropomorphismus, Urteilskraft, Idee.