Sofonisba Anguisciola, auch Angosciola, Angussola, Anguscinola

Anguisciola, Sofonisba, auch Angosciola, Angussola und Anguscinola genannt, eine treffliche Bildnissmalerin, geb. 1530 zu Cremona, kam, da sie schon in früher Jugend entschiedenen Beruf für die Kunst zeigte, in die Schule des Giulio Campi, setzte, als dieser nach Mailand reiste, ihre Studien unter Bernard Gatti, gen. Sojaro, fort und wurde in kurzer Zeit in der Porträtmalerei so geschickt und berühmt, dass König Philipp II. von Spanien sie 1559 an seinen Hof berief und, nachdem sie hier die ganze königl. Familie gemalt hatte, zur Hofmalerin" ernannte. Von einem sizilianischen Edelmann am spanischen Hofe, Don Fabbrizio di Moncada, zur Gemahlin erkoren, folgte sie diesem in sein Vaterland, kehrte aber nach dessen Tod nach Genua zurück, woselbst sie sich mit einem ändern Edelmanne, Orazio Lomellino, vermählte und in ihrem 90. Jahre starb, nachdem sie 23 Jahre das Unglück der Blindheit ertragen. Obgleich sie aber so lange Zeit des Augenlichts entbehrte, so war ihr Haus nichts desto weniger der Versammlungsort der ersten Künstler, Gelehrten und Kunstfreunde, und wie sie sich früher in ihren Bildern durch die treffende Ähnlichkeit, das Leben und das feine, liebenswürdige Naturgefühl, so soll sie sich in ihren Kunstgesprächen, in denen namentlich Van Dyck viel gelernt zu haben versicherte, durch ihren Geist und ihre Kenntnisse ausgezeichnet haben. Sofonisba hatte 5 Schwestern: Helena, Anna, Minerva, Europa, Lucia, die sich alle der Malerei widmeten und von denen namentlich die Letztere im Porträtfach Treffliches leistete. Anguisciola's Bilder sind ziemlich selten. In der Galerie der Uffizien zu Florenz, in dem Lomellino'schen Hause zu Genua, in der Wiener Galerie und in der Sammlung des Lord Spencer zu Althorp sieht man ihr eigenes Porträt verschieden variiert; in der Leuchtenbergischen Galerie: das Porträt der Königin von Zypern; in der Sammlung des Lord Exeter zu Burleighouse: ein männliches Bildnis und in der Galerie des Grafen Raczynski: ein treffliches Familienporträt.

 

Literatur. Vasari, Leben der ausgezeichneten Maler, Bildh. und Baum. — Lanzi, Gesch. der Malerei in Italien. — Fiorillo, Gesch. der zeichnenden Künste in Italien. — Museo fiorentino. — Bermudez, Diccionario historico de los mas illustres professores de las bellas artes in Espana. 


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Seite zuletzt aktualisiert: 31.12.2004 
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