René von Anjou

Anjou, René von, Titularkönig von Neapel, Herzog von Lothringen, Graf von Provence, mit dem Beinamen der Gute, geb. 1408, gest. 1480, ein höchst kenntnissreicher Fürst, Dichter, Maler und Beförderer der Künste und geistigen Bildung durch Beispiel, Unterstützung und Lehre, wird für einen Schüler der van Eyck gehalten, was hohe Wahrscheinlichkeit für sich hat; denn wenn sich auch in seinen frühesten Werken, z. B. auf einer kleinen Tafel in zwei Abteilungen, René und seine Gemahlin und die Vision des heil. Bernardin von Siena darstellend, noch Anklänge an die italienische Darstellungsweise in der Art des Pisanello zeigen, so findet man dagegen in seinen späteren Bildern, in dem figurenreichen Altarbild des Hospitals zu Villeneuve, der sogenannten göttlichen Komödie, wohl richtiger aber eine Krönung Mariä genannt, und in dem betenden Kardinal mit dem schönen Ausdruck im Museum zu Avignon, insbesondere aber in dem großen Altarwerk der Kathedrale zu Aix, einem Flügelbild mit fast lebensgroßen Figuren, dem sogenannten brennenden Busch, einer Allegorie auf die unbefleckte Empfängnis Maria, ganz vollkommen den Stil der van Eyck, wie denn René's Tätigkeit in der Malerei überhaupt nicht ohne Einfluss auf den flandrischen Realismus der neapolitanischen Schule des 15. Jahrhunderts gewesen sein mag. Ja, es wird ausdrücklich versichert, dass er den Neapolitaner Colantonio del Fiore in der „flandrischen Malweise" unterrichtet habe. In seinen meisten Werken beurkundet sich eine phantastische originelle Sinnesweise voll eigentümlicher Einfälle und versteckter Gedanken, eine besondere Liebhaberei an allegorischer und symbolischer Darstellungsart; sie zeichnen sich in der Regel durch eine gute Charakteristik, richtige Zeichnung und einen milden Ausdruck in den Köpfen aus. In der Modellierung der nackten Teile sind sie dagegen schwach, zeigen aber einen schönen Wurf und prachtvolle Färbung der Gewänder, dem Gesammtkolorit fehlt es jedoch hin und wieder an Harmonie. Man nennt auch mehrere Porträts, die René gemalt, so außer mehrfachen Bildnissen seiner selbst und seiner beiden Gattinnen die: Karl des VII., Philipp des Guten, Herzogs von Burgund u.s.w. Von seinen übrigen Gemälden, deren Rene eine ziemliche Anzahl angefertigt und welche die Kirchen zu Angers, Lyon, Avignon, Marseille und Aix zierten, sind die meisten in der Revolution zu Grunde gegangen; ebensowenig hat sich etwas von den Malereien erhalten, welche er zu Dijon auf die Wände und Fensterscheiben der jetzt zerstörten Schlosskapelle und im Schlossturm, woselbst er von Philipp von Burgund von 1431 — 1438 gefangen gehalten wurde, gemalt hatte. Dagegen finden sich noch ziemlich viele Miniaturbilder vor, womit er seine selbstverfassten geistlichen Betrachtungen, Romane und sein Turnierbuch geschmückt. So bewahrt man außer mehreren zerstreuten Missalen, Psaltern, Breviarien u.s.w. in den Bibliotheken zu Angers, Aix und Wien noch sechs der von ihm mit Miniaturen geschmückten Gebetbücher der sogenannten „Heures"; ferner auf der Bibliothek zu Paris seinen „Trésor des Martres", mehrere seiner „Moralitäten" oder „Mysterien", seinen „Roman en prose et en vers de três doulce mercy au coeur d'Amour espris" und insbesondere sein treffliches Turnierbuch, 1449 auf dem Schloss Tarascon gemalt und wichtig für die Kenntnis der Sitten und Trachten der Zeit, Dasselbe wurde herausgegeben von Champillion-Figeac, J. Dubois und G. Motte unter dem Titel: Les tournais du roi Rene., tln Vol. Paris 1826.  

 

Literatur. Ouvres complètes du Roi René avec une biographie. Text vom Grafen Quatres-barbes, Abbild. von M. Hawke, Angers 1845. — Kunstblatt, Jahrg. 1826 u. 1827. — Passavant, ebendaselbst, Jahrg. 1845. — Förster, ebendas, Jahrg. 1846. — Kugler, Handb. der Gesch. der Malerei.  


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Seite zuletzt aktualisiert: 31.12.2004 
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