Bauart

Bauart. Der besondere Geschmack, wodurch sich die Gebäude verschiedener Völker von einander unterscheiden. In diesem Sinn sagt man: die griechische, römische, gothische, italienische, französische, Bauart. Von der griechischen und römischen Bauart können wir eigentlich nur aus ihren Tempeln urteilen. Das vorzüglichste daran, das den Charakter dieser alten Bauarten ausmacht, ist eine edle Einfalt und Größe in den Formen; eine Schönheit, die aus den einfachsten Verhältnissen der Hauptteile entsteht; eine nur aus großen Verzierungen durch Säulen entstehende Pracht; und eine Genauigkeit, die keine einzige Regel übertritt. Wiewohl in den späteren Zeiten des Altertums diese Pracht auch in kleineren Verzierungen gesucht worden [s. Baukunst]. Die italienische Bauart, so wie sie von Palladio, Barocchio, Vignola und anderen ältern Meistern eingeführt worden, verbindet Größe und Pracht mit Einfalt, lässt aber viel Nachläßigkeit in einzeln Teilen sehen und scheint, die Nachläßigkeiten ausgenommen, der Bauart der Alten nahe zu kommen. Die französische Bauart hat weniger Größe und Einfalt, aber mehr Zierlichkeit und Annehmlichkeit, ist auch in kleineren Teilen genauer. Die Gothische zeigt eine mit Zierraten und unendlichen Kleinigkeiten überhäufte Größe und Pracht, bei welcher die guten Verhältnisse gänzlich aus den Augen gesetzt sind und die nicht selten etwas Abenteuerliches hat.

Wenn man fragt, welche Bauart die beste sei; so könnte man antworten; für Tempel, Triumphbogen und große Monumente sei die alte Bauart die beste; für Palläste die italienische, aber mit der griechischen Genauigkeit verbunden; zu Wohnhäusern aber die französische.


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
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