Bebung

Bebung. (Musik) Die Bebung eines Tones ist eine überaus schnelle Abwechslung der Höhe und Tiefe, wie auch der Stärke und Schwäche desselben, während seiner Dauer, wodurch er, ohne seine Natur zu verlieren, etwas Mannigfaltiges bekommt. Dass ein Ton derselbe bleibe, wenn er in seiner Dauer oder Aushaltung wechselsweise etwas stärker oder schwächer wird, ist eine bekannte Sache. Dass er aber auch eine ähnliche Abwechslung der Höhe und Tiefe leiden könne, ohne seine Natur zu verändern, möchte zweifelhaft scheinen. Wenn man aber bedenkt, dass ein Intervall, z. B. eine Quinte um ein merkliches von dem reinen Verhältnis 2:3. abweichen und dennoch die Stelle einer reinen Quinte vertreten könne; so wird man auch leicht begreifen, dass jeder Ton, ohne seinen Namen zu verlieren, etwas höher und tiefer werden könne; zumal wenn diese Abwechslung so schnell geschieht, dass man seine reine vollkommene Höhe nie aus dem Gehör verliert.

Bei der Bebung der Töne wechselt das stärkere und schwächere, das höhere und tiefere mit solcher Schnelligkeit ab, dass die Abwechslung selbst nicht deutlich wird und dieses gibt dem Tone etwas sanftes und gleichsam wellenförmiges. Der bebende Ton ist von dem mit der größten Genauigkeit in einerlei Höhe und Stärke fortdauernden eben so unterschieden wie ein sanfter Umriss im Gemälde von einem harten, der nach dem Lineal oder mit dem Zirkel gezogen wäre. Wie in der Malerei solche Umrisse der ganzen Vorstellung eine Härtigkeit geben, sanfte und bei nahe ungewiss scheinende aber, alles weich und natürlich machen, so ist es auch in dem Gesange. Jeder etwas anhaltende Ton wird steif und hart, wenn ihm nicht die Bebung ein sanfteres Wesen gibt.

Dieses ist eine der Ursachen, warum eine Melodie auf einem Klavier, dessen Saiten durch Federn geschnellt werden, niemals so sanft kann gespielt werden als auf der Violine oder auf der Flöte, welche den Tönen die Bebung geben kann.

Die menschliche Stimme hat den Vorzug, den sie so offenbar vor allen anderen Instrumenten hat, größtenteils den sanften Bebungen zu danken, die sie allen anhaltenden Tönen gibt. Es ist ein wesentliches Stück des guten Singens und Spielens, dass man lerne jeden Ton mit solcher Bebung aushalten. Im Singen ist es am leichtesten, weil die Natur selbst die Werkzeuge der Stimme so gebildet hat, dass sie bei keinem anhaltenden Ton in derselben steifen Spannung bleiben. Auf Instrumenten aber erfordert die Bebung weit mehr Kunst. Am leichtesten scheint sie auf der Violin durch das schnelle hin und her wälzen des die Saite niederdrückenden Fingers erhalten zu werden.


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