Zum Hauptinhalt springen

580. Fließen¹⁾. Strömen²⁾. Rinnen³⁾.

1) To flow.
2) To stream, gush.
3) To run (drop).
1) Couler.
2) Couler rapidement.
3) Découler (dégoutter).
1) Scorrere.
2) Sgorgare, diluviare.
3) Stillare, scolare.

Fließen bedeutet überhaupt, daß sich etwas, was nicht fest ist, fortbewegt, sei es langsam oder schnell, sei es eine geringe oder große Masse, sei es bloß nach einer Richtung oder nach allen Seiten hin. Das Wachs, das einem gewissen Grade der Hitze ausgesetzt wird, fängt nach kurzer Zeit an zu fließen. Strömen sagt man dann, wenn von einer großen Menge Flüssigkeit die Rede ist, die sich mit bedeutender Gewalt in bestimmter Begrenzung (gewöhnlich in einem breiten Bette) nach einer Richtung hin bewegt, z. B. das Wasser strömt ins Tal nieder. „Und da ich mich nahe des Baches Steg, | da hat ihn der strömende Gießbach hinweg | im Strudel der Wellen gerissen.“ Schiller, Graf v. Habsburg. Auch auf andere Dinge wird strömen übertragen und bezeichnet im uneigentlichen Sinne das Zusammenkommen einer großen Menge an einem bestimmten Orte, z. B. Zu diesem Feste strömten Menschen aus allen Himmelsgegenden herbei. Rinnen wird nur bei einer geringen Menge von Flüssigkeiten angewendet, die sich in einem schmalen Bette (daher das Wort Rinne) langsam oder geschwind weiterbewegt, z. B. ein Bächlein rinnt durchs Tal. „Wenn unser Blut anfängt auf die Neige zu gehen, wie der Wein in dieser Flasche erst schwach, dann tropfenweise rinnt.“ Goethe, Götz III. Von fließen und strömen unterscheidet sich rinnen außerdem noch dadurch, daß es nur die fortschreitende Bewegung der tropfbar flüssigen Körper, wie Wasser, Wein, Öl usw. bedeutet, während fließen und strömen auch von elastischen und nicht tropfbar flüssigen, wie Luft, Dünsten u. ähnl. gebraucht wird. Man sagt so von der Luft, daß sie durch enge Kanäle, von der Elektrizität, daß sie durch die leitenden Körper ausfließe, ströme, aber nicht, daß sie rinne. — Zuweilen wird rinnen auch als poetisch gewählter Ausdruck für fließen oder strömen gebraucht. „Deiner Lüfte balsamischer Strom durchrinnt mich erquickend.“ Schiller, Spaziergang 9. — Sinnverwandt mit den genannten Wörtern sind auch die Ausdrücke fluten und wogen. Während fließen, rinnen und strömen mehr das Vorwärtsbewegen des Wassers andeuten, gehen fluten und wogen auf das Ausbreiten der Bewegung; beide werden nur von großen Wassermassen gebraucht. Das Fluten bezeichnet die starke Bewegung solcher Wassermassen nach einer oder nach verschiedenen Richtungen hin, das Wogen das wechselnde Steigen und Sinken der Wellen. Beide werden daher besonders vom Meer und von großen Seen gebraucht, doch auch von Überschwemmungen, wo große Wassermassen sich mit gewaltiger Kraft bewegen. Auch von einem großen Strome kann man sagen, daß er majestätisch dahinflute. Fluten ist von Flut, wogen von Meereswoge abgeleitet und mit diesem von bewegen. „Seht hin, | wie’s brandet, wie es wogt und Wirbel zieht, | und alle Wasser aufrührt in der Tiefe.“ Tell I, 1. — Im übertragenen Sinne wird fluten vom Hereindringen großer Massen, wogen von dem Hin- und Herbewegen solcher in der Fläche ausgedehnten Mengen gesagt. „Es fluten Roß und Mann | im muntern Schwarm laut lärmend durch die Felder.“ Schiller. Man sagt: das Ährenfeld wogt, der Kampf wogt hin und her u. ähnl.