Karl Begas

Begas, Karl, geb. 1794 zu Heinsberg bei Aachen, gest. 1854 als Hofmaler und Professor an der k. Akademie zu Berlin, einer der trefflichsten Meister der Gegenwart, bildete sein frühreifes Talent für die Malerei von 1812 an im Atelier des Baron Gros zu Paris aus und erregte schon durch seine ersten größeren Bilder: Hiob von seinen Freunden betrauert (1816 vom verstorbenen König von Preußen erkauft), Christus am Ölberg (1818 für die Garnisonskirche zu Berlin vollendet, lith. von K. Mittag), und die Ausgießung des heil. Geistes (1820 für den Dom von Berlin gemalt), von denen ihm das erstere einen Jahresgehalt zu ferneren Studien in Paris, das letztere eine dreijährige Pension zu einer Reise nach Italien erwarb, große Erwartungen, die er auch nachher und zwar zunächst durch seine in Rom 1823 gemalte Taufe Christi (in der Garnisonskirche zu Potsdam), sowie ein Porträt Thorwaldsens, und, 1824 ins Vaterland zurückgekehrt, durch eine große Anzahl geschichtlicher, biblischhistorischer und genreartiger Bilder und Porträts, die sämtlich zu den bedeutendsten Leistungen der modernen Malerei in der von ihm befolgten Richtung gezählt werden, glänzend rechtfertigte.

So sah man von ihm 1826: den jungen Tobias mit dem Engel (gest. v. Berger); 1827: die Auferstehung Christi (lith. v. K. Fischer), ein 19 fuss hohes Altarbild, von großer Meisterschaft der Technik, besonders in der Farbe (in der Friedrichswerder'schen Kirche zu Berlin); 1831: die Bergpredigt (im Privatbesitz zu Berlin), ein vom sanftesten und mildesten Geist der Andacht durchhauchtes Gemälde; 1834: die Aussetzung Mosis (im Besitz des rheinisch-westphälischen Kunstvereins), eine anmutsvolle sinnige Komposition, und die Mädchen am Berge, eine höchst liebenswürdige Idylle nach Uhland; 1835: die Lorelei (gest. v. Mandel), ein überaus reizvolles und tiefsinniges Märchenbild, so schön im Gedanken, so großartig in der Komposition und ergreifend im Ausdruck, wie von hoher Vollendung in Zeichnung und Farbe; 1836: Kaiser Heinrich IV. im Burghofe zu Canossa, ein Meisterwerk, doch mehr lyrischen als historischen Charakters, von treffender und sinniger Charakteristik, Anmut und Leben und einer äußerst poetischen, malerischen Haltung (auf der Burg Rheineck am Rhein). Im Jahr 1837 malte Begas für die Kirche zu Krumoels in Schlesien eine Verklärung Christi, an der man die Würde und Feierlichkeit in der Handlung, die Großartigkeit des Stils, die schöne Anordnung, die zauberhafte Lichtwirkung und die Freiheit und Leichtigkeit der Farbenbehandlung rühmt. Ein anderes interessantes Gemälde von ihm, das bald darauf entstand, war: Christus, den Untergang Jerusalems weissagend (auf dem Schlosse Bellevue zu Berlin; lith. v. Schertle), ein Situationsbild, in welchem an die Stelle der dramatischen Handlung eine, durch ein bedeutendes Moment hervorgerufene Stimmung tritt, welche die trefflich charakterisierten Gestalten in würdevollem Ernste gemeinsam verknüpft, und das durch seine eben sowohl erwogene, als ungezwungene, Komposition, und die lebendige Frische der Darstellung ungemein anspricht. Sein 1842 für die Kirche zu Landsberg an der Warte gemaltes Altargemälde: Christus, die Mühseligen und Beladenen zu sich rufend, zeichnet sich durch die edle Auffassung, scharfe Charakterzeichnung und die hei der großen Entschiedenheit der Kontraste so wohl tuende Harmonie der Komposition und Färbung und die liebevolle Ausführung aus; dagegen verrät sein 1848 ausgeführtes Bild: Adam und Eva den erschlagenen Abel erblickend (im Besitz des Königs von Preußen), zwar eine vortreffliche sorgfältige Arbeit, allein die geistige Bedeutsamkeit des Moments, die Erscheinung des ersten Toten vor den Augen der ersten Lebenden, kommt darin nicht zu einer tiefern, durchgreifenden Wirkung.

Im Übrigen zeigen sich in allen seinen Bildern, im Lyrischen, Idyllischen und Elegischen, worin er eine so hohe Anmut entfaltet, wie im Historischen und Kirchlichen, worin er eine großartige Stilistik entwickelt und in welch letzterer Richtung er eine, sich von der konventionell mittelalterlichen lossagende, dem Bewusstsein der modernen Zeit mehr genügende Auffassung erstrebt, ein denkender Geist, ordnender Verstand und lebhafter, tiefpoetischer Sinn, meistens in gleichmäßiger Stärke vertreten, eine immer wieder überraschend neue Wendungen ersinnende Erfindungsgabe und eine ausgezeichnete Vollendung der Technik, insbesondere eine eigentümliche Zartheit der Carnation.  

Außer den genannten Bildern sind von Begas noch bekannt: ein Kreuztragender Christus (Kirchenbild zu Sergen bei Frankfurt a. d. O.); Christus am Kreuz (für die Kreuzkapelle zu Sagan gemalt); Christus am Ölberg (in der Hauptkirche zu Wolgart, an der Ostsee), ein Bild von hoher Vollendung in Farbe und Helldunkel; Christus mit dem Zinsgroschen (im Privatbesitz zu Paris) und des Herrn Verrath. Ferner mehrere dem Genreartigen und Romantischen angehörige Darstellungen: ein mittelalterlicher Herrscher, den in seinen letzten Stunden ein Sänger mit der Laute zu erheitern sucht (für das städtische Museum in Königsberg gemalt); Mädchen im Schatten einer Eiche ruhend, ein gemütliches Gedicht voll geheimen Zaubers; die Mohrenwäsche und die Winzerfamilie.  

Eine ganz besondere Meisterschaft entfaltete Begas auch im Porträtfach. Seine Bildnisse zeichnen sich bei aller gewissenhaften Treue und Naturwahrheit durch die großartige stilvolle Gesamtauffassung, durch die Virtuosität des Vertrags, der keine Mühe des Schaffens bemerkbar macht und die fein berechnete malerische Wirkung aus. Besonders gerühmt wurden seiner Zeit die Porträts mehrerer fürstlicher Personen, z. B. der jetzigen Königin von Bayern, sodann das, im Jahr 1841 zum zweitenmal gemalte, von Thorwaldsen, das beste, welches von diesem Meister vorhanden ist, namentlich aber des Künstlers eigenes (im Jahr 1852 gemaltes) Porträt. Unter den für die königl. Sammlung von Bildnissen der in Kunst und Wissenschaft hervorragenden Männer in Berlin, sind von seiner Hand die ausgezeichneten Porträts von: Alex. v. Humboldt, Schelling, Ritter, L. v. Bach, Meyerbeer, Cornelius, Rauch, Direktor Schadow u.s.w.  

Begas erhielt vom König v. Preußen den roten Adlerorden III. Klasse und die große Medaille für Kunst und Wissenschaft, vom König der Belgier den Leopoldsorden.  

Seine beiden Söhne, Reinhold und Oscar, widmen sich ebenfalls der Kunst, jener der Bildhauerei, dieser der Malerei und zwar mit einem Erfolge, der den jungen Künstlern eine bedeutende Zukunft vorhersagt, wie sich aus den Arbeiten des ersteren, z. B. einer Gruppe: Hagar und Ismael, und einer Kreuzabnahme, einem ausgezeichneten Bilde des letzteren, schließen läßt.  


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 © textlog.de 2004 • 16.07.2019 06:38:59 •
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