Becker, Jakob

Becker, Jakob, Professor am Städel'schen Institut zu Frankfurt und Mitglied der Berliner Akademie der Künste, geb. 1810 zu Dittelsheim bei Worms [gest. am 22. Dezember 1872 in Frankfurt am Main], bildete sich zu Düsseldorf unter Schadow und folgte in seinen ersten Bildern, z. B. einem Ritter mit seinem Liebchen, noch ganz den damaligen romantischen Einflüssen der Schule, wandte sich aber bald darauf den, seiner ganzen künstlerischen Individualität mehr zusagenden Darstellungen aus dem Volksleben zu. Schon seine ersten Bilder dieser Art, seine betende Bauernfamilie und der Abend am Brunnen im Westerwald erwarben ihm die Gunst des Publikums in hohem Grade und seine ferneren Hervorbringungen steigerten seinen Ruf in diesem Fache zu einem allgemein deutschen vom besten Klang. Unter diesen nennen wir: seinen heimkehrenden Krieger, eine Idylle von rührender Gewalt; den verwundeten Wildschützen (in der Gräflichen Raczynskischen Galerie zu Berlin); Landleute vom Gewitter überrascht, ein Bild von tiefergreifender dramatischer Wirksamkeit, und den vom Blitz erschlagenen Schäfer, eine ländliche Tragödie (beide Gemälde im Städel'schen Institut zu Frankfurt); einen heimkehrenden Erntezug (gest. v. Steifensand); Landleute mit ihrem Pfarrer vor dem Krieg flüchtend und einige kleinere Bilder komischen und idyllischen Charakters.

Becker's Bilder zeichnen sich durch den tieferen, das Genre von seinem höheren Standpunkt behandelnden Gedankengehalt, durch die unmittelbare frische, kräftige und poetische Auffassung des Volkslebens, durch die klar sich aussprechende, mit Geschmack angeordnete Komposition, den Reichtum der Motive und deren dramatische Verwendung, durch die treffende Charakteristik und den gelungenen Ausdruck, und bei aller sorglichen Individualisierung durch den feinen Schönheitssinn, der alle seine Gestalten so anziehend macht, aus. Sein Vortrag, seine Färbung und Zeichnung sind Zeugen einer tüchtigen, gewandten Technik. Becker hat im Landschaftsfache ebenfalls manches sehr Verdienstliche geliefert, auch einige hübsche Blätter radiert.

 

Literatur. Wolfgang Müller, Düsseldorfer Künstler.


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