Domenico di Pace Beccafumi, Meccherino

Beccafumi, Domenico [di Pace], genannt Meccherino, geb. 1484 (nach Andern geb. 1470) und 1551 noch am Leben, war der Sohn eines Bauern Paccio, dessen Namen er aber später mit dem seines Wohltäters, eines Siener Bürgers, Lorenzo Beccafumi, vertauschte, der sich des Talent verratenden Hirtenknaben annahm und ihn zu Capanna, genannt del Tozzo, einem mittelmässigen Maler zu Siena in die Lehre tat, bei welchem er sich im Kopieren nach Zeichnungen guter Meister übte, bis er Gelegenheit bekam, zwei Bilder zu sehen, die Perugino für Siena gemalt und die ihm so wohl gefielen, dass er sie so lange nachahmte, bis er sich ganz den Stil dieses Meisteis angeeignet hatte. Nach solcher Vorbildung ging er nach Rom, studierte dort sowohl die Antiken und alten Meister, als auch vorzugsweise Raphael und Michelangelo, und kehrte nach 2 Jahren in seine Heimat zurück, wo er alsbald mit dem dort in großem künstlerischem Ansehen stehenden Sodoma wetteifernd in die Schranken trat. Er schmückte zuerst, und zwar im Jahr 1512, die Fassaden einiger Häuser zu Siena mit Bildern aus der Mythologie und malte sodann mit steigendem Beifall und Ruhme bei fast jeder neuen Hervorbringung, für S. Benedetto: eine sehr schöne Altartafel, die heil. Katharina die Wundmale empfangend, zu beiden Seiten die h. h. Benedikt und Hieronymus (gegenwärtig in der Academia delle belle arti zu Siena): für die Kirche S. Martino: eine Geburt Christi; im Hospital von S. Maria della Scala: den Besuch der Madonna bei der heil. Elisabeth und für die Kirche S. Spirito: eine Vermählung der heil. Katharina (jetzt im Palazzo Sarcini); ferner für die Kirche von Carmine (noch heute an einem Seitenaltar daselbst): den Sturz Lucifers; für die Nonnen von Ogni Santi: eine Krönung Maria (jetzt in der Sakristei der Kirche S. Spirito); endlich um 1530 in der Casa Agostini: die Fresken an der Decke und den Wänden eines Saals, mit verschiedenen Darstellungen aus der antiken Welt; die Deckengemälde im Saal des Concistorio dei Signori, die strenge Übung der Gerechtigkeit bei den Römern in vielen Bildern versinnlichend, ein Werk von großem Reichtum der Ideen; für S. Francesco: eine Tafel in Öl, Christus in der Vorhölle (gest. v. Ph. Tommassin, G. Traballesi, Ag. Costa und P. Jode); für die Kapelle in S. Bernardino: ein Temperagemälde, Madonna mit vielen Heiligen und an die Wände in Gemeinschaft mit Sodoma zwei Bilder in Fresko. Während dieser Malereien widmete er überdies einen Teil seiner Zeit der Ausführung jener eigentümlichen Darstellungen auf dem Fußboden des Domes zu Siena, welche Bilder aus dem alten Testament enthalten, mosaikartig aus hellerem und dunklerem Marmor zusammengesetzt, mit niello-artigen Schattenstrichen verseilen sind und zu Beccafumi's interessantesten Arbeiten gehören. (Die Cartons dazu befinden sich in der Akademie zu Siena, einzelne Darstellungen daraus haben Andrea Andreani und Hugo da Carpi in Holz geschnitten.) Von dem Herzog Doria nach Genua berufen, malte er in dessen Palast neben Perin del Vaga und Pordenone ein Freskobild, kehrte aber, vom Heimweh ergriffen, bald wieder über Pisa nach Hause zurück, führte hier zwei Darstellungen aus dem Leben des Moses und die vier Evangelisten für die Pisaner Domkirche (noch jetzt daselbst) aus, malte auch später selbst dort noch eine Madonna mit dem Kinde und vielen Heiligen, ein Bild, das indessen nicht zu seinen besten Arbeiten gehörte. Seine letzten Malereien waren: eine im Jahr 1544 für die Nonnen von S. Paolo zu Siena in Öl gemalte Geburt der Maria und die Wandgemälde der Chornische des Doms daselbst, die Himmelfahrt Christi und darunter Maria mit den Aposteln. Die spätere Zeit seines Lebens beschäftigte er sich beinahe ausschließlich mit Skulpturarbeiten, von denen wir aber nur die 1551 von ihm in Erz gegossenen höchst anmutigen 8 Engelsgestalten an den, dem Hochaltar zunächst stehenden Säulen des Doms zu Siena kennen. — Außer den angeführten Bildern sieht man noch von ihm: Maria mit dem Kinde und dem kleinen Johannes im Museum zu Berlin; sein eigenes Porträt in der Sammlung des Herzogs von Grafton zu London; eine heilige Familie, Rundbild in der Pinakothek zu München; Christus am Ölberg, (zugeschrieben) im Louvre zu Paris; eine Frauengestalt von höchster Schönheit, in der Galerie Borghese zu Rom; die h. h. Petrus und Paulus in der Taufkirche S. Johannes und eine Verkündigung Mariae in der Kapelle Ton S. Spirito zu Siena.  

Beccafumi soll auch in Holz geschnitten haben, und man nennt als von seiner Hand herrührend: 10 Darstellungen aus der Alchymie und einige Apostelfiguren. Dass er in Kupfer radiert und dass namentlich die unter dem Namen: Deukalion (nach dem Bild in der Casa Agostino in Siena), der entweihte Parnass u.s.w. bekannten Blätter ihn zum Urheber haben, in welcher Beziehung ihm nebiges Monogramm beigelegt wird, ist jedoch nicht ganz erwiesen. Dagegen haben verschiedene Künstler Blätter in Helldunkel nach seinen Werken ausgeführt.  

Beccafumi gehört unter die Meister, in deren Werken sich die sienesische Kunst auf die Höhe der Zeit, jener großartigen Periode ihrer schönsten Entfaltung im 16. Jahrhundert in Italien, schwang, in denen die Strenge der alten Sieneser Schule sich in Zartheit und edle einfache Anmut, die frühere liebenswürdige Einfalt in Schönheit und Adel auflöste. Er entfaltet in seinen Bildern einen großen Reichtum an Gedanken, eine geistreiche Anordnung und glückliche räumliche Verteilung, einen zarten und innigen Ausdruck, Kühnheit und Lebendigkeit der Zeichnung, ein, wenn auch nicht besonders wahres, doch durch seine Heiterkeit eine angenehme Wirkung auf das Auge hervorbringendes, äußerst dauerhaftes Kolorit und einen ernsten Stil der Darstellung. Leider hielt er sich in seinen späteren Bildern mehr nur an die äußerlich schöne Form der Florentiner, namentlich in manieristischer Nachahmung des Michelangelo, und wurde daher, wo er stark und kräftig sein will, schwer und plump, nachlässig in den Extremitäten und in den Köpfen unschön, ja bisweilen roh.  

 

Literatur. Della Valle, Lettere Sanesi. — Vasari, Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister. — Lanzi, Geschichte der Malerei in Italien. — Museo Fiorentino, woselbst auch sein Porträt im Stich.


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