Sommerlied


Wenn der Sommer blaut,

  wenn der Penner klaut,

     wenn der Gastwirt stellt den Garten raus:

Pflanzt im Bumslokal

  sich mit einem Mal

    der beliebte Humorist vors volle Haus.

      Und er tut als wie besoffen,

        und er murmelt schwer betroffen –

          Schnedderedeng – den Refrain:

»Und ick immer mitn mit, mitn Schmidt, mitn mit,

und ick immer mitn mit, mitn mit, mitn Schmidt!«

 

Mancher Journalist

  weiß genau, wies ist,

    wenn der Umsturz alle Seelen faßt.

Und er sichert sich

  leis und vorsichtig,

    dass er nur den letzten Anschluß nicht verpaßt.

      Der Zeitgeist pfeift. Der Zeitgeist lockt.

        Und ganz gesiegt ist halb geschmockt. –

          Schnedderedeng – im Refrain:

Und sie immer mitn mit, mitn Schmidt, mitn mit,

und sie immer mitn mit, mitn mit, mitn Schmidt!

 

Manches Volk ist blind,

  Fahnen wehn im Wind,

    Idealen geht die Farbe ab.

Doch sie hängen dran –

  alle, Mann für Mann –

    haben nichts gelernt von Wilhelm bis zu Kapp.

      Führt auch Ludendorff sie in den Scheibenkleister:

        er bleibt doch der große deutsche Meister –

          Schnedderedeng – im Refrain:

Und sie alle mitn mit, mitn Schmidt, mitn mit,

und sie alle mitn mit, mitn mit, mitn Schmidt!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 10.06.1920, Nr. 24, S. 696.





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